Die erste uralte menschliche DNA stammt aus Südostasien

31-05-2018 16:23:00 Autor:   TROY OAKES Kategorien:   Menschen , Forschung , Entdeckungen , Wissenschaft

Feldarbeiter graben im Jahr 2007 alte menschliche Überreste bei Man Bac, Vietnam aus. Die DNA von Skeletten auf dieser Baustelle ist Gegenstand der aktuellen Analyse. (Bild: https://pixabay.com/de/dna-genetik-wissenschaft-forschung-1020670/ wobei gilt: https://pixabay.com/de/service/terms/#usage)

Die ersten Genom-Analysen von uralter, menschlicher DNA aus Südostasien zeigen, dass es in den letzten 50.000 Jahren mindestens drei große Wellen der Völkerwanderungen in diese Region gegeben hat. Die Forschung, veröffentlicht am 17. Mai auf der Webseite von Science, ergänzt das, was aus archäologischen, historischen und linguistischen Studien von Südostasien bekannt ist, somit aus dem Gebiet östlich von Indien und südlich von China.

Die Studie beleuchtet einen weiteren kritischen Teil der Geschichte der antiken Bevölkerungsentwicklungen auf der ganzen Welt und verbindet zahlreiche antike DNA-Studien aus Europa, sowie die aufkeimende Forschung aus dem Nahen Osten, Zentralasien, den Pazifikinseln und aus Afrika. Der Hauptverfasser der Studie, Mark Lipson von der Medizinischen Schule in Harvard (HMS), berichtete:

„Ein sehr wichtiger Teil der Welt ist nun für die DNA-Analyse zugänglich.“

„Es öffnet ein Fenster in die genetischen Ursprünge der Menschen, die dort in der Vergangenheit gelebt hatten und derer, die dort jetzt leben.“

Ein internationales Team unter Leitung von Forschern der HMS und der Universität Wien extrahierte und analysierte die DNA aus den Überresten von 18 Menschen, die zwischen etwa 4.100 und 1.700 Jahren im heutigen Vietnam, Thailand, Myanmar und Kambodscha lebten. Das Team fand heraus, dass die erste Völkerwanderung vor etwa 45.000 Jahren stattfand und dass die Siedler zu Jägern und Sammlern wurden.

Dann, während der Jungsteinzeit vor etwa 4.500 Jahren, gab es einen großen Zustrom von Menschen aus China, die landwirtschaftliche Praktiken nach Südostasien einführten und sich mit den lokalen Jägern und Sammlern mischten.

Die Menschen aus dieser gemischten Abstammung neigen dazu, österreichisch-asiatische Sprachen zu sprechen, weswegen die Forscher die These aufstellen, dass die Bauern, die aus dem Norden kamen, frühe österreich-asiatische Sprecher waren. Der ältere Mitverfasser, Ron Pinhasi, von der Universität Wien erklärte:

„Diese Studie zeigt ein komplexes Wechselspiel zwischen Archäologie, Genetik und Sprache, das für das Verständnis der Geschichte der südostasiatischen Bevölkerung entscheidend ist.“

Die Untersuchungen ergaben, dass nachfolgende Migrationswellen in der Bronzezeit, ebenfalls aus China, vor etwa 3.000 Jahren in Myanmar, vor 2.000 Jahren in Vietnam und in den letzten 1.000 Jahren in Thailand eintrafen. Diese Völkerwanderungen führten Ahnentypen ein, die heute mit Sprechern verschiedener Sprachen verbunden sind.

Die Identifizierung von drei angestammten Populationen - Jäger/Sammler, erste Bauern und bronzezeitliche Migranten - spiegelt ein Muster wieder, das erstmals in den Studien über die uralte DNA der Europäer entdeckt wurde, aber mit mindestens einem wesentlichen Unterschied: Ein Großteil der Ahnenvielfalt in Europa ist im Laufe der Zeit, als sich die Bevölkerungen vermischten, verblasst, während die südostasiatischen Bevölkerungen viel mehr Veränderungen beibehalten haben.

Herr Reich, Professor für Genetik an der HMS und auch ein älterer Mitverfasser der Studie, behauptete:

„Die Menschen, die nahezu direkte Nachkommen einer jeden der drei Ursprungsbevölkerungen sind, leben noch heute in der Region, einschließlich die Menschen, die eine auffallende Jäger/ Sammler-Abstammung haben, leben in Thailand, Malaysia, den Philippinen und auf den Andamanen.“

„Wobei von den heutigen Menschen in Europa niemand mehr als nur einen Bruchteil der Abstammung von den europäischen Jägern und Sammlern hat.“

Herr Professor Reich geht davon aus, dass die hohe Verschiedenartigkeit Südostasiens heute zum Teil dadurch erklärt werden kann, dass die Landwirte viel später als in Europa ankamen - vor rund 4.500 Jahren im Vergleich zu vor 8.000 Jahren - und so war die Zeit für die Vermischung der Bevölkerung und für den Ausgleich der genetischen Vielfalt kürzer.

Die neuen Erkenntnisse machen deutlich, dass die vielen Einwanderungsswellen, die jeweils in einer entscheidenden Übergangsperiode der südostasiatischen Geschichte stattfanden, die Genetik der Region im bemerkenswerten Ausmaß geprägt haben. Herr Professor Reich sagte:

„Die große Bevölkerungsfluktuation, die mit der Ankunft der Bauern einherging, ist nicht überraschend, aber der Grad für den Ersatz während der Bronzezeit war viel höher, als viele Leute erahnt hätten.“ 

Unerwartet waren auch die sprachlichen Auswirkungen, die anhand der Analysen über die Abstammung der Menschen in West-Indonesien aufgezeigt wurden. Herr Professor Reich fügte hinzu:

„Die Hinweise deuten darauf hin, dass die ersten Bauern von West-Indonesien eher österreichisch-asiatische Sprachen sprachen als die austronesischen Sprachen, die heute gesprochen werden. Daher waren austronesische Sprachen wahrscheinlich später angekommen.“

 „Zusätzliche Proben aus West-Indonesien vor und nach 4.000 Jahren sollten die Frage klären,“ meinte Professor Reich.

Bereitgestellt von der Harvard Medical School mit dem Hinweis: Die Materialien können bezüglich Inhalt und Länge bearbeitet werden.

 

Übersetzt aus dem Englischen von maria aus der Familie betke 

http://www.visiontimes.com/2018/05/28/scientists-have-analyzed-first-ancient-human-dna-from-southeast-asia.html