Zwischen Himmel und Erde: der Jade-See

17-01-2018 13:09:57 Autor:   Visiontimes Kategorien:   China , Reisen , Kultur , Legenden , Videos

Der himmlische See in Xinjiang, China. Bild: Yaoleilei via wikimedia (https://en.wikipedia.org/wiki/Heavenly_Lake_of_Tianshan#/media/File:Tianshan_tianchi.jpg); CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

In der westlichen Kultur werden den Göttern menschliche Eigenschaften zugewiesen und in die menschliche Welt integriert. Olympus ist der Ort, wo sie in der griechischen Mythologie wohnen. Ähnlich verhält es sich in der chinesischen Kultur, nach der die Gottheiten auf dem Berg Qunlun (oder Kunlun) ihre Bleibe haben. Viele Geschichten, vor allem von Taoisten, erzählen, dass der Berg Qunlun der Platz war, an dem taoistische Kultivierende praktizierten und unsterblich wurden. Die alten Chinesen betrachteten den Berg als "die Quelle des Drachenmeridians". Sogar der Himmel hinterließ ein göttliches Becken auf dem Berggipfel, bekannt als "Yaochi" oder Jade-See.

Die Drachenkarte von China

Das Land China wird als riesiger Drache bezeichnet. Die Geographen sind der Ansicht, dass die Form Chinas ein Drache ist, der von vielen großen und kleinen weltberühmten Bergketten sowie einigen der lebenswichtigsten Flusssystemen der Welt gebildet wird. All diese Berge und Flüsse stammen vom Berg Qunlun. Er durchzieht China und sogar Asien. China lag auf seinem Hauptmeridian, als es geboren wurde, wobei der Hauptmeridian sich zu Ästen entwickelte und sich in noch mehr Zweige verzweigte. Wie das Blutgefäßnetz des menschlichen Körpers lief er letztlich durch ganz China.

 

Die Qunlun Berge (Bild über wikimedia CC BY-SA 3.0)

Als der heiligste Berg Chinas, verläuft Qunlun östlich vom Pamir Tadschikistans entlang der Grenze zwischen Xinjiang und den autonomen Regionen Tibets zu den sino-tibetischen Bergen in der Provinz Qinghai. Es erstreckt sich über eine Länge von 2.500 km und eine Breite von 130-200 km, mit einer Oberfläche von circa 500.000 Quadratkilometern und einer durchschnittlichen Höhe von 5.500-6.000 Metern.

Wo genau die heilige Stätte des Qunlun Berges liegt, in dem sich die Gottheiten im Einklang gemäß den Legenden kultivierten, bleibt bis heute ein Geheimnis. Der alten chinesischen Literatur zufolge war der Berg Qunlun mehr als 10.000 Meilen hoch und wurde von einer Schicht himmlischen Lichts bedeckt. 

Wo ist der Jade-See?

Eine Legendenfigur, die Königinmutter des Westens, war eng mit dem Jade-See verbunden. Dadurch war sie die älteste Göttin der Chinesen. Man glaubte, dass Tieguai Li, einer der Acht Unsterblichen, nur dadurch unsterblich wurde, dass er ihrer Führung folgte.

Der große Dichter Li Shangyin aus der späten Tang-Dynastie war für die imagistische Qualität seiner Poesie bekannt. Seine Schriften, die die Legende und Geschichte des Jade Sees zusammenfassten, weckten bei zahlreichen Gelehrten und Intellektuellen seiner Zeit phantastische Gedanken über den himmlischen Ort. Das Gedicht geht so:


„Die Königinmutter des Westens blickt durch das offene Fenster hinaus.

Das Lied, das König Mu von der Zhou-Dynastie für seine Reise nach Huangzhu komponiert hatte, durchzieht die Luft und macht das Herz traurig.

 

Die Pferdekutsche vom König Mu kann 30.000 Meilen am Tag zurücklegen.

Warum kommt  und besucht er uns nicht wieder?“

 

Der Legende nach ritt einst König Mu vor mehr als 3.000 Jahren auf seiner Kutsche, die von acht außergewöhnlich schönen Rossen gezogen wurde und 30.000 Meilen am Tag zurücklegen konnte, um der Königinmutter des Westens am weit entfernten Jade-See einen Besuch abzustatten.

Die Königinmutter, als das Haupt der Westlichen Region, stand und wartete am See, um den respektvollen Gast zu empfangen. Große Feste und Zeremonien wurden abgehalten, um seinen Besuch zu feiern. Der König war auch von dem weitgehenden Blick auf den See, der einem Spiegel in der Luft glich und von seiner Ausdehnung in die Ferne sehr beeindruckt.

Er hat die Reise enorm genossen. Als sie sich trennten, versprach er, drei Jahre später zurückzukehren. Das Versprechen wurde jedoch nie erfüllt! So verträumt und bewegend die Geschichte auch ist, nirgendwo in den heiligen Schriften wurde die Lage des Jade Sees genauer bestimmt.

Himmlischer See

Laut historischen Aufzeichnungen sollte der legendäre Jade-See das Schwarze Meer sein, welches die Quelle des Qunlun-Flusses ist. In großer Höhe auf einem natürlichen Plateau gelegen, bewahrt der See einen geheimnisvollen Schleier.

 

Der himmlische See  (Bild: YouTube/Screenshot)

 

Heutzutage sind die Menschen jedoch bestrebt, den Himmlischen Tianshan-See in Xinjiang im Nordwesten Chinas als Jade-See zu behandeln, da der alte Name für diesen besonderen See auch Jade See genannt wurde. Er ist ein alpiner Treibsee, der in der Quartär-Eiszeit geformt wurde und 97 km von Urumqi entfernt ist.

Die Besucher genießen die atemberaubende Schönheit der Gletscher, der Bergseen und einen steilen natürlichen Landschafts-Gürtel am Himmlischen See im nationalen Gebiet. Mit den Geschichten über die Königin-Mutter des Westens als Hintergrund, den verträumten Spiegelbilder der Berge, unberechenbar verspielten Wolken, einer Tannenbaum-Reihe nach der anderen, dem klaren Wasser und blauen Himmel werden Naturfreunde aus der ganzen Welt angezogen, um in ihre unglaubliche Schönheit einzutauchen.

Man kann sich entscheiden, zum Himmlischen See und zur Königinmutter des Westens zu pilgern, aber nur der Himmel weiß, ob sie jemals dort war!

 

 

Aus dem Englischen übersetzt von maria : betke

http://www.visiontimes.com/2018/01/12/between-heaven-and-earth-jade-lake.html

 

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