Die Geheimnisse der Drachengewänder

30-12-2017 12:44:13 Kategorien:   Traditionelle Kultur , China

Ein altes chinesisches Sprichwort sagt, dass die Regierung eines jeden Kaisers dann beginnt, wenn er seine neuen Gewänder anzieht. (Bild: wikimedia / CC0 1.0)

Ein altes chinesisches Sprichwort sagt, dass die Regierung eines jeden Kaisers beginnt, wenn er seine neuen Gewänder anzieht. Die kaiserlichen Gewänder der letzten Qing Dynastie (1644-1911) geben dem Sprichwort recht.

Während vieler Dynastien wurde die Bekleidung als Statussymbol angesehen und repräsentierte die individuelle Position in der Gesellschaft. Zum Beispiel war der Pelz des schwarzen Fuchses und die Farbe Gelb für hohe Beamte und für Mitglieder der kaiserlichen Familie reserviert.

 

Der einfachen Bevölkerung war es nicht erlaubt, solche Kleidung zu tragen oder sogar zu besitzen, obwohl der Verkauf erlaubt war. Falls irgendeiner gegen die Regel verstoßen hatte, unterlag er einer harten Bestrafung, sogar der Todesstrafe.

Gebogene Ärmel und separate, schwere Kragen

Die Qing Dynsatie wurde begründet, als die Reiter der nordöstlichen Mandschurei das chinesische Reich der Ming Dynastie 1644 eroberten. Jedoch hatten die Mandschuren bezüglich der Kultur, Tradition, Gebräuche und Wissenschaft viel von den hochentwickelten Chinesen zu lernen.

 

Ein Portrait des Kaisers Kangxi im Gewand des Hofes. (Bild:Wikimedia / CC0 1.0)

 

 

Sie übernahmen nicht nur das weitentwickelte System des Staatsbeamtentums, sondern auch die chinesischen Ideogramme, ihre Rituale, Gebräuche und sogar die Ideologie und die Religion. Obwohl die Mandschuren nach der Eroberung die chinesische Kultur bewunderten, behielten sie aber den Stolz auf ihre eigenen Wurzeln.

Bevor die Mandschuren sich ansiedelten, war die Reisekleidung der wichtigste Besitz. Sie bestand meistens aus Tierhaut, die gemäß der Form des toten Tieres ausgeschnitten wurde, um die Verwendung des rohen Materials zu maximieren.

Die kaiserliche Garderobe verdankt ihre hufförmig gestalteten Ärmeln und die gesonderten, schweren Kragen der Tradition der Mandschuren. Da die Mandschuren ihren Unterhalt durch die Jagd in den nordöstlichen Gebirgen bestritten, mussten sie sich vor Kälte schützen. Sie trugen lange, gebogene Ärmel, die über die Hände gezogen werden konnten, und der schwere separate Kragen war auch zum Schutz der Jäger vor Kälte während der langen Ritte gedacht.

Schließlich jedoch stellten sich die Ärmel im Alltagsleben des kaiserlichen Hofes als ein Hindernis heraus. Die Hofbeamten hatten sie die meiste Zeit hochgerollt, und rollten sie nur runter, wenn sie jemand neues begrüßen mussten.

 

Der Kaiser Yongzheng (Bild: Wikimedia / CC0 1.0)

 

 

Dieser Brauch, der beim Kaiser und seinen Beamten begonnen hatte, wurde letztendlich von jedermann übernommen. Daher wurde es zu einem Ritual der Chinesen, ihre Ärmel hoch und runter zu rollen, wenn sie einen Fremden begrüßten.

Der am sorgfältigsten ausgearbeitete Umhang der Welt

Bevor es erlaubt war, dass irgendein Umhang den Körper eines chinesischen Kaisers der Qing Dynastie berührte, bedurfte dieser zweieinhalb Jahre Handarbeit durch die Hofschneider. Es gab einen speziellen Schneiderladen im Palast, der nur der Kleidungsherstellung diente.

Die Muster und Schnitte wurden dort entwickelt und mussten vom Kaiser und den höchsten Hofbeamten genehmigt werden. Dann wurden die Muster den Seide-Manufakturen übergeben, Wenn das Gewebe fertig war, wurde es von einem anderen Kunsthandwerker ausgeschnitten und einem Dritten übergeben, um es zusammenzunähen und abschließend zu besticken.

Nur die feinsten Garne wurden für die Stickerei ausgesucht – sogar welche, die aus reinem Gold bestanden. Der Kaiser beschäftigte 500 Kunsthandwerker für die Näherei und weitere 40 für die Goldstickereien.

Eine Robe zu jedem Anlass

Während der Qing Dynastie beinhaltete die kaiserliche Garderobe Gewänder und Umhänge aller Art. Es gab Gewänder für Zeremonien, spezielle Gewänder für zeremonielle Anlässe, Reisekleidung, Kleidung für schlechtes Wetter, Schnee und Regen, sowie Alltagskleidung zum Gebrauch in privaten oder öffentlichen Bereichen.

 

Eine Malerei, die das tägliche Leben einer Beamtenfamilie in der Qing Dynastie darstellt. (Bild: wikimedia / CC0 1.0)

 

Den Wetteranforderungen entsprechend, waren sie entweder gesäumt oder ungesäumt, aus Seide, Leder oder Baumwolle gefertigt. Die Farben wurden auf die kaiserliche Garderobe perfekt passend abgestimmt. Eine der Farben, die für den Kaiser reserviert waren, war helles Gelb, Rot, Blau und Hellblau.

Gelb war meistens reserviert als Farbe für Feierlichkeiten. Die anderen drei Farben wurden zu zeremoniellen  Opfertagen in den drei großen Tempeln getragen. Der Kaiser trug Blau im Tempel des Himmels, Rot im Tempel der Sonne und Hellblau im Tempel des Mondes. Zusammen mit jedem Gewand trug der Kaiser auch einen passenden Gürtel und Hut.

Ein einfaches zeremonielles Gewand wurde zu allen anderen festlichen Anlässen getragen, wie Hochzeiten, Opfertage, Neujahr.

Die weithin bekannten Drachengewänder waren umsäumt mit goldenen Drachen. Es gab Umhänge für spezielle Festlichkeiten und der Kaiser trug sie nur an glückverheißenden Feiertagen.

 

Drachengewänder in einer Ausstellung. (Bild: Jean-Pierre Dalbéra via flickr CC BY 2.0

 

 

Die 12 Muster der Drachengewänder

Die Gewänder der Kaiser wurden mit kunstvollen Ornamenten versehen und enthielten verborgenen Symbolismus für Glück. Auf jedem kaiserlichen Kostüm dominierte das Bild eines Drachen, als bedeutendes Element des Konfuzianismus, das die Macht des Kaisers symbolisierte.

Ein Drachengewand einhielt neun Drachen, je einer auf beiden Schultern, einer auf dem Rücken, einer auf der Brust oben und unten, die letzten vier Drachen schmückten den unteren Teil des kaiserlichen Gewandes.

Die Drachengewänder waren nicht nur einfach als Verzierungen für den Kaiser gedacht, sie sollten auch den Menschen Glück bringen. Neben dem Drachen gab es noch 11 weitere Symbole für Glück: 日 (rì) — Sonne, 月 (yuè) — Mond, und 星辰 (xīngchén) — Sterne, als die drei Symbole für strahlende Lichtquellen; 群山(qúnshān) — der Berg, symbolisiert den Schutz der kaiserlichen Regierungsbezirke in alle vier Richtungen; 華虫(huàchóng) — das Insekt, stand für des Kaisers Weisheit; 宗彝 (zōngyí) — der Becher Wein, stand für Ehrlichkeit, Loyalität und Respekt; 藻 (zăo) — Seegras, steht für Reinheit; 火 (huŏ) — Feuer, steht für seine Ehrlichkeit; 粉米 (fĕnmĭ) — Reis, symbolisierte Wohlstand ; 黼 (fŭ) — eine spezielle Stickerei, die in Schwarz und Weiß ausgeführt war, als Symbol für des Kaisers Entschlossenheit und Kühnheit; und 黻 (fú) —eine Stickerei in Schwarz und Grün, war eine weiteres Symbol für Ehrlichkeit.

Ein zusätzliches Symbol auf dem Gewand des Kaisers war eine rote Fledermaus, die ein bedeutendes Zeichen für „eine wahre Flut von Glück“ ist.

Die Unterwäsche stellte die Anordnung von Ozeanen und Gebirgen dar, da in chinesischer Tradition der Herrscher als „Sohn des Himmels, der die ganze Welt regiert", betrachtet wurde.

 

Übersetzt vom Englischen von Detlef Pape

http://www.visiontimes.com/2017/11/27/traditional-chinese-clothing-secrets-of-the-dragon-robes.html

 

 

 

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