Was ein Mann von einer Wölfin lernte ...

17-10-2016 02:12:08 Autor:   Yi Ming Kategorien:   Leben , Reisen , Tiere

Was mein Schwager aus einer Begegnung mit einem Wolf lernte... (Bild: Pixabay / CC0 1.0)

Mein Schwager ist ein Amerikaner, der Expeditionen und Ausflüge liebt. Als junger Mann wollte er als Matrose die Welt bereisen. Er stammt aus einer gut betuchten Familie, sodass ihm nach der Schulausbildung viele Wege offen standen. Jedoch wollte er nach der Schule nicht sofort studieren, und so bereiste er stattdessen als Wanderarbeiter Alaska und arbeitete dort als Holzfäller.

Seinen Verdienst, den er während der Holzfällsaison sparte, nutzte er, um den Rest des Jahres die Welt zu bereisen. Nach zwei Jahren des durch die Welt Reisens ging er zurück nach Hause und und schloss innerhalb von drei Jahren einen kompletten Bachelor-Studiengang ab. Er fand eine Arbeit und war beruflich erfolgreich, sodass er innerhalb weniger Jahre als Chefingenieur arbeiten konnte.

Eines Tages erzählte er mir von einem Erlebnis, das er in Alaska machte und das einen großen Einfluss auf sein weiteres Leben hatte. Während er mit seinen Freunden im Wald arbeitete, hörte er einen Wolf heulen. Sie suchten lange nach ihm und fanden ihn schließlich gefangen in einer Wildfalle.

Mein Schwager wusste, dass in der Gegend, in der sie sich befanden, ein alter Mann lebte, der mit dem Fangen und Verkauf von Wildtieren seinen Lebensunterhalt aufbesserte. Jedoch hatte der Mann vor kurzem einen Herzinfarkt und befand sich in einem Krankenhaus. Wenn sich niemand um den gefangenen Wolf kümmern würde, würde dieser verhungern.

Sie wollten ihn befreien, doch er war einfach zu wild und aufgebracht.

Sie sahen, dass Milch aus den Zitzen des Wolfes tropfte. Es war anscheinend eine Wolfsmutter, die gerade Junge hatte. Sie suchten nach der Wolfshöhle und brachten schließlich vier kleine Wolfsjungen zur Mutter zurück, damit sie sich um sie kümmern konnte.

Mein Schwager campierte seit der Nacht, in der er die Wölfin gefangen in der Falle vorgefunden hatte, in ihrer Nähe. Er blieb fünf Tage an ihrer Seite und teilte sein Essen mit ihr. Am fünften Tag, als er sie gerade füttern wollte, sah er, wie sie mit dem Schwanz wedelte. Er wusste nun, dass er ihr Vertrauen gewonnen hatte und drei Tage später ließ sie ihn so nah an sich heran, dass er sie aus der Falle befreien konnte.

 

Als die Wölfin mit ihren Jungen weiterzog, schaute sie sich mehrfach zu meinem Schwager um, womit sie ihre Dankbarkeit ihm gegenüber ausdrückte. (Bild: Mats Lindh via flicker CC BY 2.0 )

 

Nachdem die Wölfin wieder frei war, leckte sie die Hand meines Schwagers und ließ ihn ihren verletzen Fuß versorgen. Als die Wölfin dann mit ihren Jungen weiterzog, schaute sie sich mehrfach zu meinem Schwager um, womit sie ihre Dankbarkeit ihm gegenüber ausdrückte.

Nachdem sie weg waren, setzte er sich auf einen Felsen und begann, über sein Erlebnis nachzudenken. Wenn ein Mensch ein Freund eines wilden Wolfes werden kann, warum können wir Menschen dann nicht alle gemeinsam unsere Unterschiede beiseite lassen und in Frieden auf dieser Erde miteinander leben?

Seitdem begegnet er seinen Mitmenschen immmer freundlich und geht immer davon aus, dass sie es gut meinen. Er hilft oft anderen und nimmt Schwierigkeiten gelassen hin. Die größte Veränderung in seiner Persönlichkeit ist, dass er jeden Tag glücklich ist. Er hat zudem erkannt, dass die Freude, die er dadurch empfängt, dass er anderen Menschen hilft, bei weitem die Freude übertrifft, die er den Menschen geben kann.

Mein Schwager betont immer wieder, wie dankbar er für sein Erlebnis in Alaska ist, das ihn erkennen ließ, was wirklich wertvoll und wichtig ist.

 

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