Artischocken: Edles Gemüse aus dem Mittelmeerraum

17-09-2016 01:28:38 Autor:   Ariane Gavizzoli-Gündel Kategorien:   Ernährung , Freizeit , Gesundheit

Die Artischocke: Insektenweide, Heilpflanze, Delikatesse (Foto: Ariane Gavizzoli-Gündel)

Zunächst einige Einzelheiten über diese dekorative, schmackhafte und heilsame Gemüsepflanze. Die Artischocke, Cynara scolymus, ist eine distelartige, aufrechtwachsende Kulturpflanze aus der Familie der Korbblütler, der Asteraceae. Der kräftige Wurzelstock zeigt sich im ersten Jahr als eine Blattrosette und entwickelt im Folgejahr einen starken, mit stachligen Blättern bewachsenen Stängel, der bis zu zwei Meter hoch werden kann. Aus diesem Stängel wächst an der Spitze eine kugelig, grüne Knospe. Diese Knospe wird vor ihrem Erblühen als Gemüse-Delikatesse geerntet. Aufgeblüht jedoch, für Dekorationszwecke und Sträuße in der Floristik, zeigt die Artischocke ihre wahre blau-violette Pracht. Zum Zwecke der Heilung verwendet man getrocknete und frische Rosettenblätter und auch die Wurzeln der vielseitigen Pflanzen.

 

Zum Erntedank, die blau-violett blühende Artischocke (Foto: Grace Winter pixelio de. jpg)

 

Die heilende Artischocke

Unsere inneren Organe wie Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse, Magen usw. freuen sich über die in der Artischocke enthaltenen Bitterstoffe. Der Stoffwechsel wird angeregt, die Verdauung gefördert, die Enzymproduktion der Bauchspeicheldrüse kommt in Fahrt. Cholesterinausscheidungen funktionieren besser und die Neubildung von Cholesterin in den Leberzellen kann vermindert werden. Auch die Blutfettwerte verbessern sich und die ansonsten doch recht quälende Arteriosklerose hat weniger Chancen. Nicht nur der Fettstoffwechsel wird angeregt, sondern auch der Blutzuckerspiegel wird durch das in der Artischocke enthaltende Inulin positiv beeinflusst. Des Weiteren haben die Inhaltsstoffe der Pflanze entgiftende und die Leber stärkende Wirkungen. Sie ist also eine Allrounderin.

Die „Traditionelle Chinesische Medizin“ ordnet wegen des hohen Bitterstoffgehalts die Artischocke dem Element Feuer und den Organen Leber, Gallenblase, Blase und dem Magen zu und gilt thermisch als kühl. Sie wird vor allem bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises bei Gicht, Arthritis, und Gelenkentzündungen eingesetzt. Qi-Stagnationen in Leber und Magen werden reguliert, Übelkeit und Verdauungsprobleme vergehen. Da man sich nicht täglich eine gute Artischockenmahlzeit zu bereiten kann, bietet der Handel die Einnahme von allgemein gut verträglichen Artischockenwirkstoffen in Form von Extrakten oder Säften an.

Hier noch ein wichtiger Hinweis für Allergiker:

Bei Korbblütler-Allergikern können Artischocken unangenehme Reaktionen hervorrufen.

 

Die essbaren Knospen der Artischocke (Foto: Andreas Musolt pixelio.de jpg)

 

Geselliges Vergnügen

Artischocken im Kreise der Familie oder mit Freunden zu essen, macht Spaß. Man plaudert und erzählt und wartet, bis die in Salzwasser gekochten Artischockenknospen servierbereit sind. Beim Kochvorgang sollen die Artischocken vollständig mit Wasser bedeckt sein. Nach einer halben bis dreiviertel Stunde, wenn sich die Hüllblätter leicht vom Boden entfernen lassen, ist es soweit. Jetzt kann gegessen werden. Die Frucht wird als Ganzes serviert.

Als Erstes werden die Hüllblätter, von dem besonders wohlschmeckenden Boden einzeln gelöst und in die schon vorbereiteten Soßen getunkt. Man isst die weichen unteren Teile der Blattinnenseiten. Erst nach der vollständigen Entblätterung des delikaten Gemüses stößt man auf den geschmacklichen Höhepunkt der Artischocke, das Herz. Guten Appetit!

 

Übrig bleibt das Artischockenherz (Foto: Lichtkunst 73 pixelio jpg)

 

 

Leckere Soßen:

60 g Saure Sahne, 90 g Joghurt, 10 g Senf, 100 g Mayonnaise, 1 Knoblauchzehe, fein gehackt, 2 EL Zitronensaft, 1 EL Petersilie, 1 EL Essig, ½ TL Zucker

oder

1 Schalotte, 2 EL frischer Estragon, 2 EL Petersilie oder Kerbel, 3 Eigelb, 10 Körner Pfeffer, schwarz oder grün, 100 g Butter, etwas Salz, 4 EL Weißwein, 3 EL Essig ( Estragon oder Weißweinessig), 2 EL Wasser

 

Übrigens, der übriggebliebene Artischockensud eignet sich, wegen seiner reichhaltigen Mineralstoffe, ausgezeichnet als Gemüsebrühe für den kommenden Tag.

 

Königliches Gemüse: die Artischocke (Foto: Ariane Gavizzoli-Gündel)

 

Das Lieblingsgemüse Goethes

Dass Goethe, des Deutschen Lieblingsdichter, die Frauen liebte ist wohl allgemein bekannt, dass er Frauenherzen jedoch mit einem Korb voll frisch geernteter Artischocken, dem stacheligen Gemüse erobern wollte, wohl eher nicht. Goethe schrieb an eine Freundin:

Gegen Früchte aller Arten
Saftig-süßen, schmacklich-zarten
aus gepflegtestem Revier
send ich starre Disteln dir
Diese Distel, lass sie gelten

Ich vermag sie nicht zu schelten
Die, was uns am besten schmeckt
in dem Busen tief versteckt.

Goethes Frau Christine, baute Artischocken im eigenen Nutzgarten in Weimar an. Der Gourmet Goethe hatte seine Freude, nun brauchte er nicht mehr auf seine Lieblingsspeise zu verzichten.

Die Artischocke

Ein Liebchen ist der Zeitvertreib,
auf den ich jetzt mich spitze.
Sie hat einen gar so schlanken Leib
und trägt eine Stachelmütze

Speise der Reichen

Nach Europa kam das Distelgewächs erst im Mittelalter durch arabische Händler. Ihr arabischer Name ist „al-harsuf“ und bedeutet distelartige Pflanze. In den mitteleuropäischen Herren- und Fürstenhäusern des 15. bis 19. Jahrhunderts war die Artischocke sehr beliebt, dort wurde sie zur „Königin des Gemüses“ gekürt und galt als Sinnbild für gehobene Lebensart und Reichtum. Aus früheren Zeiten ist bekannt, dass die Artischocke schon bei den Ägyptern eine Rolle spielte. Auch aus den Küchen der Römer war sie nicht wegzudenken. Artischocken galten als Delikatesse, als „Speise der Reichen“.

 

Die stolze Artischocke (Foto: Ariane Gavizzoli-Gündel)

 

Artischocken für den heimischen Garten

Heute wird die Artischocke bevorzugt in Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland und Marokko angebaut. In diesen Ländern herrscht ein mildes Klima – ganz nach dem Geschmack der Artischocke. Auch in unseren Gärten ist die Artischocke als Schmuck- und Gemüsepflanze willkommen. Sie gibt dem herbstlichen Garten mit ihren blauvioletten Blüten einen liebevollen Farbtupfer. In klimatisch raueren Gegenden braucht sie allerdings einen Winterschutz. Da hilft meist ein dicker Mantel aus Stroh. Bleibt die Pflanze im Garten, muss sie nach drei bis vier Jahren ersetzt werden.

Pflanzen Sie diesen dekorativen Gartenbewohner im kommenden Gartenjahr und erfreuen Sie sich an Blüte, Frucht und dem stolzen Habitus der Artischocke.

 

Artischocken im Garten (Foto: Anne Bermüller pixelio. de jpg)