Der Balkon: Ein buntes Kräuterdomizil

21-07-2016 00:05:29 Autor:   Ariane Gavizzoli-Gündel Kategorien:   Gesundheit , Ernährung

Für Kräuter auf dem Balkon reichen Kannen und Kübel als Gefäße zum Pflanzen vollkommen aus. (Bild: Pixabay)

Selbst auf dem kleinsten Balkon gibt es ein Eckchen, das sich zum Kräuteranbau eignet. Aromatische Kräuter für Speisen, Getränke, Smoothies und Salate anzubauen und zu ernten, kann zu einem kleinen Hobby werden. Das Ernten der Lieblingskräuter vom eigenen Balkon bereichert den Speiseplan und z.Bsp. der Sommersalat bekommt eine persönliche Note.

Um einen kleinen Kräutergarten auf dem Balkon oder der Terrasse einzurichten, bedarf es ein paar Überlegungen:

Frage eins: Wo bekomme ich kräftige Kräuterpflanzen her?

Jede Gärtnerei oder jedes Gartencenter hat eine große Auswahl an schon vorgezogenen Kräutern, aber auch große Supermärkte bieten kräftige Topfpflanzen, häufig sogar in Bio-Qualität, an.

Frage zwei: Die Standortfrage

Nicht jede Pflanze mag volles Sonnenlicht, manche Kräuter bevorzugen Halbschatten und einige gedeihen vorwiegend an rein schattigen Plätzen.

Frage drei: Wann und wie viel Wasser benötigen die Pflanzen?

Für den Anbau auf dem heimischen Balkon kann die Frage: Wann, wie oft und wie viel Wasser die Pflanzen brauchen, überlebenswichtig für die Kräuter sein.

Mit der nachstehenden Kräuter-Auswahl, Anregungen für die Küche, Tipps für die kleine Apotheke und einer kurzen Kulturanleitung, ist der Erfolg für einen Kräuteranbau in luftiger Höhe in Sicht.

Petersilie

 

Petersilie: Lieblingskraut der Deutschen (Bild: H.D.Volz  / pixelio.de)

 

Standort und Bewässerung: Die Petersilie ist des Deutschen Lieblingskraut und für jeden Balkonanbau ein Muss. Petersilie bevorzugt Halbschatten und gedeiht dort bestens, wenn sie mit viel Wasser versorgt wird. An heißen Sommertagen muss die Pflanze täglich gegossen werden. Petersilie gibt es mit glatten oder gekräuselten Blättern.

Essen und Trinken: In Salaten, Kartoffeln, Gemüse darf die Petersilie nicht fehlen. Zaubern Sie aus Petersilie gemeinsam mit Früchten einen erfrischenden Smoothie.

Gesundheit: Petersilie, auch als Peterle bekannt, hat einen hohen Gehalt an Vitamin C ist harntreibend, krampflösend, schleimlösend und tonisierend. Petersilie ist auch reich an Vitalstoffen und Spurenelementen. Sie ist blutbildend und blutreinigend.

Mythen und Weisheiten: Die heilige Hildegard von Bingen, Äbtissin und Heilerin, lebte von 1098 bis 1179 in Deutschland, sagte über das Petersilienkraut:

Die Petersilie ist von kräftiger Natur und hat mehr Wärme als Kälte in sich, sie wächst durch Wind und von der Feuchtigkeit. Es ist für den Menschen besser und nützlicher sie roh als gekocht zu essen.

 Schnittlauch

Schnittlauch: Braucht einen eher trockenen Boden (Bild: plumbe  / pixelio.de)

 

Standort und Bewässerung: Schnittlauch bevorzugt wie auch die Petersilie einen halbschattigen Standort, im Gegensatz zur Petersilie mag Schnittlauch nur wenig Wasser und liebt einen eher trockenen Boden, also vor dem Gießen die Fingerprobe machen.

Essen und Trinken: Der Zwiebel-Lauch Geschmack des Schnittlauchs ist bei uns sehr beliebt. Schnittlauch gehört in den Quark, in die Suppe, in Eintöpfe und natürlich in die beliebte „Grüne Soße“. Übrigens kann man die hübschen Schnittlauchblüten auch essen. In Salaten wirken die Blüten ausgesprochen dekorativ.

Gesundheit: Schnittlauch besitzt viel Vitamin C und reinigt das Blut. Wir brauchen ihn besonders im Frühjahr, denn er vertreibt die Frühjahrsmüdigkeit. Seine heilende Wirkung entfaltet der Schnittlauch besonders bei Appetitlosigkeit, Blähungen, Gicht, Entzündungen, Bluthochdruck. Er ist harntreibend und schleimlösend.

Mythen und Weisheiten: Die alten Chinesen nannten ihn das „Juwel der Gemüsepflanzen“ und verwendeten den Schnittlauch sowohl zum Kochen als auch zum Heilen.

Wenn man sich mit frischem Mut, Schnittlauch in das Rührei tut, wallen durch des Menschen Säfte, neue ungeahnte Kräfte.

Friederike Kempner (1836-1904) deutsche Dichterin.

Basilikum

 

Basilikum: Pizza, Pasta, Pesto lieben Basilikum (Bild: Alice Dias Didszoleit  / pixelio.de)

 

Standort und Bewässerung: Tomaten, Pasta, Pizza und Pesto, alle lieben Basilikum. Basilikum gehört zur mediterranen Küche und hat ein unvergleichliches Aroma. Natürlich bevorzugt Basilikum Sonne, deshalb ist er auf einen direkten Platz an der Sonne angewiesen.

Wasser braucht das Gewürzkraut viel, den Topf oder Balkonkasten niemals austrocken lassen. Die Erde sollte feucht, aber nicht nass sein.

Essen und Trinken: Die Kombination Tomate, Mozzarella und Basilikum ist ein Gedicht und Basilikum in Tomatensoßen, Fleisch, Fisch und Pesto gehören zur abgerundeten, bekömmlichen Mittelmeerküche.

Gesundheit: Als Heilpflanze stärkt Basilikum die Verdauungsorgane, beruhigt die Nerven, lindert Migräne und leistet gute Dienste in der Frauenheilkunde. Es wirkt antibakteriell, krampflösend, schleimlösend, schmerzlindernd, darmreinigend und bei vielem anderen.

Mythen und Weisheiten: Hildegard von Bingen sah nur Gutes im Basilikum und empfahl den Gebrauch der Pflanze bei Sprachstörungen. In den Klöstern des Mittelalters war das Anpflanzen von Basilikum als Heilpflanze gebräuchlich. Basilikum soll fröhlich machen. Die Griechen trugen Amulette mit Basilikumblättern, um den bösen Blick fernzuhalten.



Thymian

Thymian: Bestandteil der Kräutermischung „Kräuter der Provence“ (Bild: w.r.wagner  / pixelio.de)

 

Standort und Bewässerung: Thymian gehört wie Basilikum zur Mittelmeerküche und ist ein wichtiger Bestandteil der Kräutermischung „Kräuter der Provence“.

Thymian braucht einen sehr hellen Standort und viel Sonne. Beim Gießen des Krautes ist daher Vorsicht geboten. Thymian mag es lieber trocken, deshalb lieber weniger als zu viel gießen und Staunässe unbedingt vermeiden.

Essen und Trinken: Der würzige, voll aromatische Thymian passt hervorragend zu Zucchini, Paprika, Auberginen-Gemüsepfannen. Auch für Rind- und Lammgerichte ist das Gewürz eine Bereicherung.

Gesundheit: In der Heilkunde ist Thymian eine wichtige Heilpflanze in den Bereichen Atemwege, Husten und Desinfektion. Thymian ist als Heilpflanze ein Alleskönner unter den Heilkräutern, er ist pilztötend, blutstillend, entzündungshemmend, krampflösend, schleimlösend und vieles mehr. Er hilft bei Erkrankungen der Atemwege, des Verdauungssystems, kurbelt den Stoffwechsel an, hilft bei Leiden des Harnapparats und bei Gürtelrose.

Mythen und Weisheiten:

Thymian zieht Bienen, die Boten der Götter, mit Sicherheit 'magisch' an!

(griechisches Sprichwort)

Der Thymianduft verleiht Mut und Energie. Er vertreibt Kummer und Sorgen. Durch ihn erlangt man Kraft und ein großes weites Herz.

 

Salbei

 

Salbei:  Ist in der Mittelmeerküche heimisch (Bild: cameraobscura  / pixelio.de)

 

Standort und Bewässerung: Der Salbei ist im Mittelmeerraum heimisch und gehört auch zur Mittelmeerküche. Nicht jeder mag diesen besonderen Geruch und Geschmack des Salbeis.

Salbei braucht wie Thymian und Basilikum sehr viel Sonne. Regelmäßiges Gießen ist erforderlich.

Essen und Trinken: Saltimbocca alla Romana ist ein Fleischgericht der italienischen Küche. Für Saltimbocca alla Romana werden sehr dünne Kalbsschnitzel mit luftgetrocknetem Schinken und Salbei belegt und gebraten.

Gesundheit: Wegen vielfältiger Heilwirkungen wird Salbei mit Recht als Allheilmittel bezeichnet. Wegen seiner zusammenziehenden und desinfizierenden Wirkung, ist Salbei gegen Halsentzündungen und Halsschmerzen das beste Mittel. Salbei wirkt schweißhemmend, antibakteriell, blutstillend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend und tonisierend.

Mythen und Weisheiten:

Wie kann ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?

(arabisches Sprichwort)

Unter allen Stauden ist kaum ein Gewächs wie der Salbei,  denn er dienet dem Arzte, Koch, Keller und Arm und Reich

„Hieronymus Bock“, deutscher Botaniker, Arzt und Prediger (1498-1554)

Rosmarin

 

Rosmarin: Erinnert an Tannennadeln (Bild: Ginover  / pixelio.de)

 

Standort und Bewässerung: Frischer Rosmarin ist aus der Mittelmeerküche nicht wegzudenken. Der Halbstrauch Rosmarin wirkt etwas stachlig und die Blätter erinnern an Tannennadeln, schmecken aber viel besser.

Wie alle mediterranen Kräuter braucht Rosmarin einen sonnigen Platz. Der Rosmarin mag nur wenig Wasser, also erst gießen, wenn die Erde trocken ist.

Essen und Trinken: Rosmarin gehört zu den Gewürzen, die in der Küche vielseitig einsetzbar sind. Durch seinen herb intensiven Geschmack wird Fleisch, Fisch oder Pasta zu einer besonders köstlichen Mahlzeit.

Gesundheit: Anregende Kräuter gibt es bei Heilpflanzen relativ selten, daher spielt Rosmarin bei der Behandlung von niedrigem Blutdruck eine sehr wichtige Rolle. Rosmarin wirkt adstringierend, anregend, antibakteriell, entspannend, entzündungshemmend, krampflösend, pilztötend, schmerzstillend, und tonisierend.

Mythen und Weisheiten: Leonhard Fuchs schrieb in seinem "New Kreutterbuch“ aus dem Jahre 1543:

Rosmarin stärkt das Hirn und allerlei Sinne. Es ist gut zu zitternden und lahmen Gliedern.

Im alten Griechenland trugen Schüler Rosmarinkränze während Prüfungen, um die Konzentration zu steigern. Auch soll Rosmarin Dämonen fernhalten. Rosmarin gilt als Symbol für Freundschaft und Treue. Unter das Kopfkissen gelegt, gibt es keine Alpträume.

 

Zitronenmelisse

 

Zitronenmelisse: Hat ein zitroniges Aroma (Bild: Kerstin Jungmann  / pixelio.de)

 

Standort und Bewässerung: Der betörende Duft der Melissenblüten lockt Bienen an, die aus dem gesammelten Nektar einen wunderbar, aromatischen Honig produzieren. Melissen-Blätter enthalten ätherische Öle. Sie duften nicht nur angenehm, sondern wirken auch beruhigend. Die Zitronenmelisse verströmt ein feines Zitrusaroma.

Sie mag einen hellen, halbschattigen Platz auf dem Balkon. Begossen wird das Kraut erst, wenn die Erde trocken ist. Die Melisse ist eine recht anspruchslose Pflanze.

Essen und Trinken: Das zitronige Aroma der Melisse verleiht den Süßspeisen eine erfrischende Note. Auch viele herzhafte Gerichte lassen sich mit den frischen Blättchen verfeinern.

Gesundheit: Die Wirkstoffe der „melissa officinalis“ helfen, körperliche und seelische Leiden unterschiedlichster Art zu lindern. Die häufigste Zubereitungsform ist der Melissentee. Er wird bei Verdauungsproblemen eingesetzt, wirkt aber auch beruhigend, der Tee ist daher ein gutes Mittel bei Schlafstörungen und depressiven Verstimmungen. Bäder mit Zitronenmelisseblättern helfen bei Hautentzündungen, sind aber auch eine angenehm duftende Entspannungskur.

Mythen und Weisheiten:

Die Melisse ist warm. Der Mensch, der sie isst, lacht gern, weil ihre Wärme die Milz berührt und daher das Herz erfreut wird.

Hildegard von Bingen

 Majoran

 

Ein kräftig würziges Kraut (Bild: Helene13  / pixelio.de)

 

Standort und Bewässerung: Der Majoran ist hierzulande bekannter und beliebter als Oregano (wilder Majoran), dabei braucht er viel mehr Sonne und Wärme als sein enger Verwandter. Majoran mag es gut sonnig und windgeschützt. Er mag es lieber trocken, daher mit dem Gießen warten, bis die Erde abgetrocknet ist.

Essen und Trinken: Die Pflanze mit ihren aromatischen Blättern und Blüten, nicht zu verwechseln mit Oregano, ist ein beliebtes Gewürz für Wurst,- Eier und Kartoffelgerichte. Majoran schmeckt aber auch gut zu kräftigen Fleischgerichten sowie zu Bohnen-, Erbsen- und Linsensuppen. Fast alle deutschen Würste enthalten dieses kräftig, würzige Kraut. Besonders auch Bratkartoffeln mögen viel Majoran.

Gesundheit: Majoran ist magenstärkend und antiseptisch wirkend. Das Kräutlein fein regt den Appetit an, wirkt beruhigend und kurbelt den Fettabbau an. Er macht fettes Essen leichter verdaulich. Majoran ist ein Blutdrucksenker.

Mythen und Weisheiten: „Kräutlein wohlgemut” wurde der Majoran von Hildegard von Bingen genannt. Er bringt gute Stimmung, lässt uns wohlfühlen, abschalten und einfach entspannen. Auf einfache Weise kann man so Hektik, Stress und Verspannungen loslassen. Man glaubt auch, dass Majoran auf ein Grab gelegt, den Übergang in den Himmel erleichtern würde.

 

Minze

 

Minze: Pfefferminzöl  vertreibt Migräne und Kopfschmerzen

(Bild: sigrid rossmann  / pixelio.de)

 

Standort und Bewässerung: Minze mag lieber weniger Sonne, ein schattiges Plätzchen auf dem Balkon ist ihr am liebsten. Gut und ausreichend gießen. Die Minze mag keine zu trockene Erde. Minze breitet sich gerne aus.

Essen und Trinken: Aus frisch geernteter Minze einen Minztee zu kochen ist etwas ganz Besonderes. Nicht umsonst ist in Marokko der Minztee, der aus der speziellen, milden marokkanischen Minze hergestellt wird, das Nationalgetränk „Thé à la menthe". Auch in Großbritannien findet die Minze rege Anwendung. „Die Briten spinnen“, fand schon Comic-Held Obelix, weil ihm bei seinem Besuch in Britannien das geliebte Wildschwein mit Minzsauce serviert wurde. Auch heute steht die Minze in Britannien immer noch ganz oben auf der Einkaufsliste britischer Köche und Köchinnen. Die traditionelle englische „Mint Sauce“ isst man gerne zu Braten und anderen Gerichten, Desserts und Schokoladen.

Gesundheit: Durch Einreiben der Schläfen vertreibt Pfefferminzöl Migräne und Kopfschmerzen. Pfefferminztee hilft bei Magen-, Darmbeschwerden, Blähungen, Durchfall, Sodbrennen, Übelkeit und Brechreiz, krampfartigen Schmerzen, Gallenleiden, Leberbeschwerden, Appetitlosigkeit, Zahnschmerzen, Nervosität, Nervenentzündungen, Nervenschmerzen.

Mythen und Weisheiten: Die Pfefferminze wurde schon im alten Ägypten verwendet, zumindest fand man Reste der Pfefferminze in altägyptischen Gräbern. Pedanios Dioscurides, griechischer Arzt, der im 1. Jahrhundert lebte, berichtete, dass die Minze „Krone der Aphrodite" genannt wurde. Zum Räuchern wurde Minze eingesetzt, bei Gedächtnisschwäche empfohlen, und bei Ohnmachtsanfälle wandte man sie, um die Lebensgeister wieder zu wecken, als Riechsalz an.

Der Erfolg ist sicher

Viele Kräuter erfreuen mit ihren schönen Blattformen- und Färbungen das Herz. Lassen Sie Ihren grünen Daumen beim Anbau von Kräutern in luftiger Balkonhöhe, wirken. Übrigens, über ein Sträußchen „Kräutermix“ freuen sich auch Freunde und Bekannte.

Der Kräuterkorb: ein schönes Geschenk.

(Bild: Media-ID: 2238009)

 

 

 

LIKE uns auFacebook, oder folge uns auf  Twitter.