Zum Gedenken an das Studentenmassaker am 3. und 4. Juni 1989 in Peking (Teil 2)

04-06-2016 22:57:10 Autor:   Ci Hang Kategorien:   China , Menschenrechte , Politik

(Bild: 64memo.com)

Vor genau 27 Jahren, am 4. Juni 1989, fand ein schreckliches Massaker statt, das die Welt erschütterte. Wie konnte so ein großes Blutbad gegenüber Zivilisten passieren? Wer gab den Schießbefehl? Wer gab den Befehl, die Menschen mit Panzern zu überrollen, so als wären sie Laub? Wie kam es, dass die Soldaten gnadenlos Menschen töteten – ihre eigenen Landsleute? Es ist klar, die kommunistische Führung in Peking trägt die Verantwortung für das unfassbare Morden. Viele hatten damals nicht die genauen Zusammenhänge verstanden.

Meine Arbeitskollegen wohnten circa 100 Kilometer von meiner Firma entfernt. Nach dem unglaublichen Massaker hatten sie, so wie ich, auch in der Firma statt zu Hause für eine Woche geschlafen. In unserer Firma gab es Zimmer mit Betten für Techniker und Arbeiter, normalerweise durften Büro-Angestellte diese Räume nicht benutzen. Diesmal war es eine Ausnahme.

In dem Wohngebiet Shi Jing Shan parkte noch vor dem 3. Juni ein LKW ohne ein Nummernschild, aber vollbeladen mit Waffen. Viele Soldaten in Zivilkleidung bewachten ihn. Später wurden viele LKW´s dort hingefahren und abgestellt, wieder vollbeladen mit Waffen, nur diesmal ohne Wachen und offen.

Die Regierung beabsichtigte wohl, dass sich die Menschen an den Waffen vergreifen. Aber niemand von der Bevölkerung ging zu den LKW´s. Einige ahnten wohl, dass dies eine durch die Regierung eingerichtete Falle sein könnte, aber viele wünschten sich einfach Ruhe sowie Frieden und wollten keine Konfrontation mit der kommunistischen Partei. Sie haben unter dem Joch dieser Führung zu lange gelitten und schon zu viel erlebt.

Am 3. Juni fing eine Millitäreinheit außerhalb Pekings an zu schießen und fuhr die 50 Kilometer auf den Straßen Shi Jing Shan, Fu Xing Lu und Mu Xu Di zum Platz des Himmlischen Friedens. Es war gegen 19.00 Uhr, als die Militärtruppe auf der Straße Mu Xi Di auf alle Menschen, die sich dort aufhielten, schoss. Hierbei wurden Dum-Dum-Geschosse verwendet, die beim Getroffenen am Körper große Wunden verursachen. Solche Geschosse sind international verboten. Hier wurden sie gegen die zivile Bevölkerung eingesetzt.

Die getroffenen Menschen sind dabei qualvoll gestorben. Es gab eine sehr hohe Zahl an Toten. Die Befehle kamen von oben und wurden an die Militäreinheit weitergegeben, sie musste gegen 24.00 Uhr am Tiananmen-Platz ankommen um dort die zeltenden Studenten zu erschießen und mit Panzern zu überfahren. Als die 1. Militäreinheit, eine Spezialeinheit, nach dem Morden wegfuhr, kam morgens am 4. Juni 1989 eine 2. Militäreinheit. Sie war nicht bewaffnet, die Soldaten trugen keinen Helm und waren zu Fuß unterwegs. Die Menschen waren sehr aufgeregt, wütend und mit Hacken bewaffnet, nachdem sie sahen was für ein Blutbad die Spezialeinheit hinterließ. Daher gingen die Studenten und die Bevölkerung auf die unbewaffnete 2. Militäreinheit los und es kam zu Todesfällen unter den Soldaten durch die aufgebrachte Menge.

 

Tatsächlich geschah damit genau das, was die chinesische Führung sich erhoffte. Sie schickte die 2. Militäreinheit bewusst unbewaffnet zum Tiananmen-Platz, nachdem die Spezialeinheit mit der gewaltsamen Räumung fertig war, Hubschrauber die Leichen wegschafft hatten und dieser Ort mehrfach mit Wasser gereinigt wurde. Die aufgebrachte Bevölkerung ging auf die unbewaffneten Soldaten los, einige von ihnen wurden sogar verbrannt.

 

So hatte die chinesische Führung gezielt einen Vorwand geschaffen, tagsüber mit nachrückenden Militäreinheiten offen auf alle Menschen, die sich auf dem Tiananmen Platz oder in der Nähe aufhielten, zu schießen und weiter Menschen mit Panzern zu überollen.

Alles sah nun wie eine Verteidigunghandlung der Regierung aus, denn die Demonstranten wären ja auf die Soldaten losgegangen und hätten „friedliche“ unbewaffnete Militäreinheiten angegriffen. Das, was vorher in der Nacht geschah, wurde verschwiegen.

Die Menschen hätten nicht gedacht, dass die Regierung so hemmungslos Zivilisten ermordet. Es wird vermutet, dass die kommunistische Partei zu große Angst vor dem Aufbegehren der Studenten hatte. Einen Monat lang standen die Bewohner Pekings den Studenten schon bei. Es bestand die Angst, dass sich der Protest landesweit ausweiten kann.

Die anschließende Propaganda im Fernsehen, Radio und Zeitung war komplett verlogen. Die Hauptmedien berichteten, dass Terroristen die Soldaten verbrannt hätten und nun von der kommunistischen Partei besiegt worden wären. Die Terroristen wären Bewohner Pekings, sie hätten die Soldaten getötet. Es ist nicht auszuschließen, dass selbst diese Verbrennungen inszeniert worden sind, vielleicht durch bewusst unter die aufgebrachte Masse eingeschleuste Personen, die die Masse dazu anstachelten bzw. selbst dies durchführten, damit die Stimmung sich noch mehr aufheizt.

Nachdem einen ganzen Monat lang Falschmeldungen der kommunistischen Partei verbreitet wurden, meldeten sich auch Frauen zum Dienst bei der Armee, darunter eine junge Frau, deren Bruder bei der unbewaffneten 2. Militäreinheit gefallen war. Die Regierung machte daraus eine große öffentliche Inzenierung und ließ verkünden, dass sie alle neuen Mitglieder begrüße und sie bei der erneuten Machtergreifung, obwohl sie siegte, zu schwach war. Deshalb bräuchte sie zwei Hände, die 1. Hand wäre die Regierung und die 2. Hand wäre die Waffe.

Aufgrund dieser Propaganda war ich von der kommunistischen Partei überzeugt und glaubte an ihre Großartigkeit sowie daran, dass das grauenvolle Ereignis von Schurken verursacht wäre. Im Jahr 1991 kam ich ins Ausland und erst hier konnte ich das, was uns die Regierung über das Massaker verschwieg, lesen. Nun erfuhr ich die Wahrheit und erkannte das wahre Gesicht der kommunistischen Partei.

Schon seit 60 Jahren werden im Abstand von 10 Jahren ähnlich große politische Kampagnen mit Tötungshandlungen der kommunistischen Partei und ihren Organisationen in der Bevölkerung durchgeführt. Erst war es die Kunmingtang, die erst im verborgenen, später offen durch die kommunistische Partei angegriffen wurde. Nach der Machtergreifung der kommunistischen Partei waren es dann zunächst die Großgrundbesitzer und wohlhabende Fabrikanten, die getötet und deren Besitz vereinnahmt wurde, anschließend die Intellektuellen und Gläubigen. Schließlich richtete sie sich gegen die Studenten, die die Regierung zu demokratischen Reformen bewegen wollte, und die Bevölkerung, die die Studenten darin unterstützten. Mit diesen politischen Kampagnen, die eigentlich „Säuberungsaktionen“ innerhalb der Bevölkerung darstellen, meint die Partei ihre Macht erhalten zu können. Damit will sie Angst verbreiten und setzt Lügen sowie Verleumdungen in die Welt, die die Leute verwirren sollen.

Wenn jemand die kommunistische Partei niederschlagen möchte, dann ist dieser Mensch in drei Tagen tot. Das war die Botschaft die sie in all ihren Kampagnen vermittelte. Doch die Geschichte wird zeigen ob durch Gewalt und Unterdrückung ein Volk geführt werden kann und ob sich die Freiheit des menschlichen Geist auf Dauer unterdrücken lässt.

 

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