STOLPERSTEINE – ein europaweites Kunstprojekt mit historischem Hintergrund

03-06-2016 22:56:03 Autor:   Elke Rook Kategorien:   Gesellschaft , Menschenrechte

Ein STOLPERSTEIN in Berlin. (Bild: Axel Mauruszat - Eigenes Werk, Attribution, Wikimedia)

Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig hat sich seit über 20 Jahren einem Projekt verschrieben, das die Menschen im Alltagsleben immer wieder auf einen ganz speziellen Teil der Geschichte Deutschlands hinweisen soll – an die Vertreibung und Vernichtung von Millionen Menschen im Nationalsozialismus.

Bist Du auch schon einmal über diese goldbraun glänzenden Bronze-Täfelchen im Boden vieler deutscher und europäischer Straßen „gestolpert“ und hast Dich gefragt, wer sie ins Pflaster eingelassen hat? Du findest sie an Orten, an denen im Dritten Reich ermordete Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, sogenannte Euthanasie-Opfer und andere verfolgte Menschen wohnten, bevor sie deportiert wurden.

STOLPERSTEINE ist ein Projekt, das auf ganz individuelle und ungewöhnliche Weise auf die Verbrechen in der Nazi-Zeit des Dritten Reiches aufmerksam machen soll.

 

STOLPERSTEINE-Verlegung in Berlin (Bild: von Axel Mauruszat - Eigenes Werk, CC BY 2.0 de)

 

 

Über STOLPERSTEINE sollen Menschen mit dem Kopf und mit dem Herzen stolpern.

 

(Gunter Demnig in einem offenen Brief, November 2014)

Immer, wenn ich einen solchen Stein entdecke, denke ich wieder daran, dass so viele ganz normale Menschen mitten aus dem Leben, ihrer Familie und der Gesellschaft gerissen worden sind, nur weil die damaligen Machthaber ihre Religion, Hautfarbe, Gesinnung oder sogar nur ihren Körperzustand als „falsch“ empfanden und deklarierten. Mich bestürzen die einzelnen Schicksale, die doch nicht vereinzelt waren, denn die geschätzte Opferzahl beläuft sich laut Bundeszentrale für politische Bildung insgesamt auf ungefähr 60 Millionen – sowohl durch Kriegshandlungen als auch Deportationen und Tod in Arbeits- oder Konzentrationslagern.

 

Wir möchten bewusst keine Massenverlegungen, um der damaligen Massenvernichtung etwas entgegenzusetzen.

 

In Deutschland findet man die STOLPERSTEINE in großen Städten wie Berlin und Stuttgart, aber auch in kleinen Ortschaften wie Dallgow-Döberitz in Brandenburg. Gunter Demnig hat es sich ganz bewusst auf die Fahnen geschrieben, möglichst jeden Stein persönlich zu verlegen. „Die Nationalsozialisten haben Menschen in Massen ermordet. Die Steine sollen die Namen zurückbringen und an jedes einzelne Schicksal erinnern. Jeder Stein soll per Hand gefertigt und per Hand verlegt werden. Die Verlegungen sind keine Routine; jedes Schicksal bewegt uns und soll bewegen.“ Dabei schaffen Demnig und sein Team nur ca. 440 Steine pro Monat!

Ich finde selbst diese Zahl beeindruckend, wenn ich mir vorstelle, dass so circa 22 Steine pro Arbeitstag in einem Monat hergestellt, beschriftet und verlegt werden müssen – denn die Steine liegen ja nicht alle in derselben Straße, sondern über Europa verteilt, man muss also auch noch sehr viel umher reisen.

Die Aktion ist inzwischen so bekannt und verbreitet, dass das Team um Gunter Demnig schon für das ganze Jahr 2016 verplant ist: „Das STOLPERSTEINE-Team möchte mitteilen, dass es erst ab Februar 2017 wieder freie Termine für Verlegungen gibt.“

Mich beeindruckt die Hingabe, mit der dieser Künstler ein Projekt zur Erinnerung an einen grausigen Teil der deutschen Geschichte ins Leben gerufen hat, und die europaweite Unterstützung, die er erfährt: Für die inzwischen 55.000 Steine gibt es nämlich jeweils Paten, die sie mit ihrer Spende finanzieren: „Für 120 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines STOLPERSTEINS übernehmen.“

Halte auch Du beim nächsten Spaziergang die Augen offen – vielleicht entdeckst du den einen oder anderen Stein und kannst für ein paar Minuten den Menschen gedenken, die dort ihren letzten freiwilligen Wohnsitz hatten.

 

 

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