Ist der Rücktritt eines Zeitungsredakteurs in China ein Wendepunkt in der Zensur chinesischer Medien?

07-04-2016 21:34:04 Autor:   Hermann Rohr Kategorien:   Politik , Menschenrechte

Manche Kritiker glauben, dass Chinas Medienumfeld, welches „ohnehin schon scharf kontrolliert“ wird, nun sogar noch schärfer kontrolliert wird. (Bild: VT/ Hermann Rohr)

Ein chinesischer Zeitungsredakteur ist aus Protest gegen die sich verschärfende Zensur, die die chinesischen Behörden bei den Medien im ganzen Land einführen, öffentlich zurückgetreten. Es geschieht inmitten der Aufrufe von chinesischen Behörden, die Kontrolle der Medien zu verschärfen und der „Kommunistischen Parteilinie zu folgen“.

Erst letzten Monat besuchte Chinas Präsident Xi Jinping drei chinesische zentrale Staatsmedien – People’s Daily, Xinhua Nachrichtenbehörde und CCTV (Chinas Hauptfernsehsender). Der Parteivorsitzende sagte dabei in einer Rede vor der eigentlichen Nachrichten- und Öffentlichkeitsarbeitskonferenz, dass alle Medien den „Nachnamen Partei“ haben müssen, welches bedeutet, dass die Arbeit aller Medien, des Fernsehens und der Journalisten „den Willen der [Kommunistischen] Partei [Chinas] (KPCh)“ wiederspiegeln muss.

 

Kann mich nicht mehr länger beugen

Yu Shaolei, ein Redakteur der Zeitung Southern Metropolis Daily, veröffentlichte eine Kopie seines Kündigungsschreibens im chinesischen sozialen Netzwerk Weibo mit dem Titel „außerstande Ihrem Nachnamen zu folgen“, berichtete The Telegraph.

The New York Times schreibt dazu: „Die Nachricht wurde ungefähr zwei Stunden später gelöscht, nachdem sie am Montagabend auf Weibo veröffentlicht wurde.“ Dennoch können gespeicherte Kopien auf Überwachungsseiten wie Freeweibo oder weiboSCOPE, das Projekt des Studienbereichs Journalismus der Universität von Hongkong, öffentlich eingesehen werden.

Herr Yus Veröffentlichung beinhaltete eine kurze Erklärung über den Grund seines Rücktritts. Die nachfolgende englische Übersetzung von Yus Veröffentlichung wurde von China Digital Times erstellt, welche der University of California, Berkeley nahesteht:

This spring, let’s make a clean break. I’m getting old; after bowing for so long, I can’t stand it anymore. I want to see if I can adopt a new posture. To the person responsible for monitoring my Weibo and notifying his superiors about what I should be made to delete: you can heave a sigh of relief. Sorry for the stress I’ve caused you these last few years, and I sincerely hope your career can take a new direction. And to those friends who care about me, I won’t even say goodbye, Southern Media Group.

Hier eine Übersetzung des englischen Textes durch unsere Redaktion:

Lasst uns in diesem Frühling endgültig einen Strich ziehen. Ich werde alt; nachdem ich mich so lange gebeugt habe, kann ich es nicht mehr ertragen. Ich möchte sehen, ob ich eine neue Haltung annehmen kann. An die Person, die für die Überwachung meiner Weibo-Seite verantwortlich ist und seine Vorgesetzten darüber informierte, was ich zu löschen hätte: Sie können erleichtert aufatmen. Entschuldigung für den Stress, den ich Ihnen in den letzten paar Jahren verursacht habe und ich hoffe aufrichtig, dass Ihre Karriere eine neue Richtung einschlagen wird. Und den Freunden, die sich um mich sorgen, möchte ich noch nicht einmal auf Wiedersehen sagen, Southern Media Group.

Nach einem unbestätigtem Bericht verweigert die Southern Metropolis Daily, eine wohlbekannte Zeitung aus Guangzhou, einen Kommentar zum Thema abzugeben.

 

Zum Schweigen gebracht durch den Staat

Es scheint, dass zahlreiche Benutzerkonten in China zum Schweigen gebracht wurden, weil sie in Opposition zu der Ideologie der KPCh standen.

Die chinesische Führerschaft besitzt Kräfte, die kontinuierlich Inhalte von sozialen Netzwerken überwachen, Kommentare veröffentlichen und jede Veröffentlichung löschen, die nicht mit dem Paradigma der chinesischen kommunistischen Führerschaft übereinstimmt. Diese Gruppe von Menschen wird inoffiziell „50 Cent Partei“ genannt und ist offenbar eine Gruppe von Regierungsangestellten in China. Sie geben vor, normale Bürger zu sein und verteidigen oder preisen laut einer unbestätigten Aussage die Regierungssicht.

Diese Aussage in Herrn Yu Shaoleis Rücktrittsveröffentlichung auf Weibo könnte als gegen die „50 Cent Partei“ gerichtet interpretiert werden:

To the person responsible for monitoring my Weibo and notifying his superiors about what I should be made to delete: you can heave a sigh of relief. Sorry for the stress I’ve caused you these last few years, and I sincerely hope your career can take a new direction.

An die Person, die für die Überwachung meiner Weibo-Seite verantwortlich ist und seine Vorgesetzten darüber informierte, was ich zu löschen hätte: Sie können erleichtert aufatmen. Entschuldigung für den Stress, den ich Ihnen die letzten paar Jahren verursacht habe und ich hoffe aufrichtig, dass Ihre Karriere eine neue Richtung einschlagen wird.

Manche Kritiker glauben, dass Chinas Medienumfeld, welches „ohnehin schon scharf kontrolliert“ wird, nun sogar noch schärfer kontrolliert wird.

Chinesische Behörden löschten in Übereinstimmung mit der KPCh Autorisierung in sozialen Netzwerken die Benutzerkonten von dem beliebtem Multimillionär Ren Zhiquiang, nachdem er sich öffentlich gegen das chinesische Oberhaupt Xi Jinping aussprach.

Nach einem Artikel der CNN Money machte Ren, der 37 Millionen Online-Followers besitzt, angeblich eine Veröffentlichung mit der Aussage: „Chinas Nachrichten müssen die öffentlichen Interessen widerspiegeln und nicht nur die Entscheidungen der herrschenden Kommunistischen Partei.“

Als Antwort darauf forderte laut dem CNN-Artikel „die Cyberspace-Verwaltungsbehörde von China“ von den chinesischen Technologieunternehmen Sina und Tancent das Schließen von Rens Mikroblog-Konten auf ihren Plattformen.

Im Jahr 2013 gingen Journalisten in China auf die Straße, um zu protestieren, nachdem Journalisten von der Zeitung Southern Weekly aus Guangzhou in Südchina behaupteten, dass die Regierung angeblich einen „Leitartikel, der nach einer politischen Reform ruft“ zensierte. Der Leitartikel, welcher die KPCh politisch hinterfragte, wurde zensiert und umgeschrieben, und zwar in Richtung Anerkennung der Herrschaft der KPCh, so berichtet CNN in einem Beitrag.

Hier könnt ihr Euch einen Nachrichtenbericht über die Proteste von Journalisten der Zeitung Southern Weekly aus Guangzhou im Jahre 2013 anschauen (bereitgestellt durch medwell1):

Die Liste der Journalisten, Künstler und Anwälte, die von der KPCh für Dinge, die Westler als „ihren Job erledigen“ bezeichnen dürften, zensiert oder inhaftiert wurden, ist ziemlich lang und unter Berücksichtigung der letzten Vorkommnisse scheint sie stetig zu wachsen.

 

 

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