25 Jahre Deutsche Einheit - Ost-West-Vorurteile allerdings noch immer vorhanden - Teil 3

14-11-2015 18:04:53 Autor:   Erik Rusch Kategorien:   Gesellschaft

In unserer Artikelserie 25 Jahre Deutsche Einheit werden wir mithilfe der Studie, “So geht Einheit – Wie weit das einst geteilte Deutschland zusammengewachsen ist“ des Berlin Institut, die Entwicklung verschiedener Lebensbereiche in Ost und West näher beleuchten.

 

 

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Teil 3

  1. Kinderbetreuung/Frauenerwerbstätigkeit
  2. Gesundheit/Suchtverhalten
  3. Kriminalität
  4. Parteien und Politik

 

1. Kinderbetreuung / Frauenerwerbstätigkeit

Es ist nicht verwunderlich, dass direkt nach der Wiedervereinigung die Einstellung der Frau zur Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und dem Muttersein auseinandergingen, waren doch die Rahmenbedingungen in beiden Teilen Deutschlands und die Erfahrungen unterschiedlich. Was mit dem Bild der Frau und ihrer Rolle als wirtschaftliche Produktivkraft sicherlich zusammenhängt. Die Frau im Osten wurde schon aus wirtschaftlicher Sicht dringend gebraucht fehlten doch vielerorts Arbeitskräfte. So verband man das Frausein mit dem Muttersein und mit dem sozialistisch geprägten Leitbild, die Arbeiterklasse sei die elitäre Klasse und die Frauen spielen darin eine wichtige Rolle als Arbeiterin und Mutter. In den alten Bundesländern hielt sich das traditionelle Bild der Frau länger, was sicherlich auch mit dem Wirtschaftsaufschwung der 1950er und 1960er Jahre zusammenhing, durch den die Männer als Alleinverdiener auch ausreichend finanzielle Mittel in die Familie brachten. Jedoch auch 20 Jahre danach (die Daten sind von 2012 und sind unserer Meinung nach noch repräsentativ) gab es teils auffällige Unterschiede. So stimmten im Westen, obwohl heute nur noch eine Minderheit den Aufgabenbereich der Frau vorrangig in Haushalt und Familie sieht, mehr Befragte betont traditionellen Aussagen zu, Man hätte denken können, dass nach der Wiedervereinigung sich der Osten dem Westen, was das Arbeitsverhalten der Frau angeht, anpasst zumal der gesetzliche Rahmen der alten Bundesländer vollständig für die neuen Bundesländer übernommen wurde. Allerdings verlief die Entwicklung anders

„Das Bild von der Mutter, die Familien- und Erwerbsarbeit vereint, ohne dass ihre Kinder darunter leiden, ist heute in ganz Deutschland zu der gesellschaftlichen Normalität geworden, wie es 1991 im Osten bereits war.“

Eine weitere Auffälligkeit ist, dass Mütter im Osten früher nach einer Schwangerschaft wieder arbeiten und dann auch von der Stundenanzahl länger als westliche Mütter. Die Vollzeitbeschäftigung als Arbeitsmodell wird viel öfter von Müttern im Osten gewählt, unabhängig vom Alter der Kinder. Auch wenn in Teilzeit gearbeitet wird, arbeiten die Mütter im Osten rund sechs Wochenstunden mehr. Das ist laut Studie bedingt durch Leitbilder aus DDR-Zeiten. So gab es zwar in der DDR auch Teilzeitbeschäftigung, sie galt allerdings als untypisches Beschäftigungsverhältnis und berufliche Einstiegshilfe, aber nicht als vollwertiges Arbeitsverhältnis. In der BRD war es anders, dort galt sie offiziell als ein Instrument, das es Frauen ermöglichte, Kinder und Berufstätigkeit zu vereinbaren.

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Auch, was die Kinderbetreuung angeht, gibt es interessante Unterschiede. 70 Prozent der Frauen in Westdeutschland meinten noch 1994, ein Vorschulkind würde darunter leiden, wenn seine Mutter berufstätig sei. Anders in Ostdeutschland hier stimmten nur 30 Prozent dieser Aussage zu. 2002 waren es im Westen dann nur noch ca. 50 Prozent der Befragten, die dieser Aussage zustimmten, im Osten 25 Prozent. 2012 schließlich sank im Westen die Zahl der Befragten, die dem zustimmten auf ca. 32 Prozent und ca. 13 Prozent im Osten. Also sanken in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich die Vorbehalte bei den westdeutschen Frauen, doch bleibt bis zuletzt ein Unterschied zu den ostdeutschen Frauen zu erkennen.

 

Quelle: Berlin-Institut mit der Studie "So geht Einheit"

 

2. Gesundheit/Suchtverhalten

Gesundheit

„Ohne Mauer lebt es sich länger“

- so die markante Überschrift in der Studie und tatsächlich zeigt die Statistik, dass ein heute geborener Junge in den neuen Bundesländern mit durchschnittlich rund sechs Lebensjahren mehr rechnen kann, als noch vor der Wiedervereinigung. Der allgemeine Gesundheitszustand hat sich im Osten also seit der Wiedervereinigung deutlich verbessert, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Die Männer haben sich allerdings, im Gegensatz zu den Frauen, der durchschnittlichen Lebenserwartung im Westen noch nicht ganz angeglichen. Auf beiden Seiten der Mauer hat bis Mitte der 70er Jahre die Lebenserwartung annähernd gleichermaßen zugenommen. Während sich dieser Trend in der BRD fortsetzte, verlangsamte er sich in der DDR. Hätte die Entwicklung in der DDR wie zuletzt angehalten, so würden Frauen in Ostdeutschland durchschnittlich vier Jahre und Männer 5,7 Jahre früher sterben, als dies heute der Fall ist.

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Nach dem Robert Koch Institut sind bereits seit 2009, also nach 20 Jahren gemeinsamer Entwicklung, die markantesten Unterschiede im Gesundheitszustand verschwunden. Heute spielen die kleinräumigen regionalen Lebens-, Arbeits- und Einkommensverhältnisse bei der Betrachtung der verbliebenen Unterschiede beim Gesundheitszustand der deutschen Bevölkerung eine größere Rolle, als der Vergleich zwischen Ost und West. So gibt es regional, z.B. bei der Lebenserwartung, große Unterschiede. So finden sich die höchsten Werte für Frauen wie Männer in Baden-Württemberg (83,6 respektive 79,0Jahre), die niedrigsten für Frauen im Saarland (81,9 Jahre) sowie für Männer in Sachsen-Anhalt (75,8 Jahre). Bei der fernen Lebenserwartung ist der Unterschied noch größer. So können 60-Jährige in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns und in Sachsen-Anhalt mit deutlich weniger verbleibenden Lebensjahren rechnen als ihre Altersgenossen in Baden-Württemberg und Bayern während Sachsen etwa gleichauf mit Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen dazwischen liegt. So der jetzige Stand wohlbemerkt. Doch woher stammend diese Unterschiede? Sie dürfen gehen laut Studie hauptsächlich auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen (der Todesursache Nr. 1) zurück. Verengung der Herzkranzgefäße, akuter Herzinfarkt und Herzinsuffizienz („Herzschwäche“) führen bundesweit die Liste der häufigsten Todesursachen an (Gesundheitsberichterstattung des Bundes 2015) . Laut de Studie wissen Epidemiologen, „dass nicht nur Veranlagung, Verhaltensweisen wie Rauchen und Bewegungsmangel sowie Vorerkrankungen wie Adipositas oder Diabetes das Risiko für diese Erkrankungen erhöhen sondern auch sozio-ökonomische Faktoren wie Arbeitslosigkeit und geringe Bildung. Sachsen-Anhalt nahm bei einem Ländervergleich all dieser Risikofaktoren fast durchweg die obersten Plätze ein, was die niedrige Lebenserwartung dort möglicherweise erklärt. Was die häufigste Todesursache Nr. 2 den Krebs angeht so unterschieden sich Ost und West zur Zeit des Mauerfalls wenig und das ist so geblieben. Auffällig allerdings ist, dass es unterteilt nach Krebsarten regionale Unterschiede gibt, die (schul-) medizinisch nicht erklärbar sind. So treten Brust- und Lungenkrebs bei den Frauen im Osten seltener auf, was möglicherweise damit zusammenhängt, das Frauen in den neuen Bundesländern durchschnittlich früher und häufiger schwanger werden und länger Stillen. Für die geringeren Zahlen beim Lungenkrebs gibt es laut Studie keine Erklärung. Magenkrebs allerdings tritt weniger in den alten Bundesländern auf, wofür ebenfalls eine Erklärung fehlt.

Suchtverhalten

Bier ist bei den alkoholischen Rauschmitteln im Osten wie im Westen unangefochten die Nr. 1, obwohl der durchschnittliche Bierkonsum stetig sinkt. Waren es im Jahr des Mauerfalls im Westen rund 142,9 Liter und im Osten sogar 149,5 Liter, so liegt er jetzt bei 107 Liter pro Kopf im Jahr. Im Westen folgt dann der Wein im Osten der Schnaps als zweitbeliebtestes alkoholisches Getränk. Mehr Weinkonsum im Westen, laut Studie ist dies begründet in der traditionellen Lage der Weinbauregionen in Südwestdeutschland. Doch war der Schnaps nicht auch günstiger herzustellen und seine Rauschwirkung auch bei niedrigerem Konsum höher, was in der DDR eine Rolle gespielte haben mag?

Fakt ist, dass sich der Weinkonsum in der BRD von 1950 bis 1989 verfünffacht hat. In der DDR wurde Schnaps zum zweitbeliebtesten Rauschmittel. Der Verbrauch hochprozentiger Spirituosen lag in den 1980er so hoch, dass die DDR „inoffizieller Weltmeister im Schnapstrinken“ wurde. „Zwischen 1950 und 1989 stieg der Schnapsgenuss von 1,3 Liter pro Einwohner auf über 15 Liter – Säuglinge und Greise eingeschlossen.“ so die Studie. Im gleichen Zeitraum stieg der Schnapskonsum bei den Westdeutschen um das doppelte, von 3 auf 6,2 Liter pro Kopf im Jahr. Der höhere Konsum an Schnaps spiegelte sich im Osten auch in der Todesstatistik wieder, so starben im Jahr der Wiedervereinigung deutlich mehr Menschen im Osten alkoholbedingt. „Alle neuen Bundesländer lagen über dem gesamtdeutschen Mittelwert von 17,3 Sterbefällen je 100.000 Einwohner. In Mecklenburg-Vorpommern starben 1990 sogar fast dreimal so viele Menschen an den Folgen des Alkoholmissbrauchs als im Bundesdurchschnitt.“ ist in der Studie dazu zu lesen. Auch 2013 so zeigt eine Studie liegen zumindest vier neue Bundesländer auf den vorderen Spitzenplätzen was eine alkoholbedingte Todesursache betrifft. Einzig Bremen hat sich mit unter dieses Spitzenfeld gemischt und Thüringen steht etwas besser dar. Laut Studie liegt das an der Folgewirkung des Alkoholmissbrauchs in der DDR und den nur langsam wandelnden Konsummustern. So sind heutzutage besonders ostdeutsche Männer gefährdet. „In Sachsen und Thüringen legen 39 Prozent von ihnen ein riskantes Trinkverhalten and den Tag. Die westdeutschen Bundesländer liegen alle deutlich darunter einzig in Nordrhein-Westfalen ist der Anteil der männlichen Risikotrinker mit 36 Prozent ähnlich alarmierend.“

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Die Gründe dafür liegen zum einen an den Folgewirkungen des Alkoholmissbrauchs während der DDR-Zeit, zum anderen an den sich nur langsam wandelnden Konsummustern. Besonders die ostdeutschen Männer sind gefährdet. In Sachsen und Thüringen legen 39 Prozent von ihnen ein riskantes Trinkverhalten an den Tag. Die westdeutschen Bundesländer liegen alle deutlich darunter, einzig in Nordrhein-Westfalen ist der Anteil der männlichen Risikotrinker mit 36 Prozent ähnlich alarmierend.

Was das Rauchen betrifft, so war es vor allem bei den ostdeutschen Jugendlichen in den 1990er Jahren beliebt, wo laut Studie offenbar die Tabak-Werbung mit ihrem „Geschmack“ von Freiheit und Selbstbestimmtheit in den Jahren nach der Wiedervereinigung auf fruchtbaren Boden fiel. „Rauchten Im Jahr 1993 noch deutlich mehr west- als ostdeutsche Jugendliche, so drehte sich das Verhältnis schnell.“ so heißt es in der Studie. Und weiter heißt es, „Infolge der flächendeckenden Nichtrauchergesetze in den 2000er Jahren gehen die Rauchquoten bei Jugendlichen und Erwachsenen langsam zurück.“

Was die Rauschgifttoten betrifft, so treten die meisten Todesfälle im Westen der Republik und in den beiden größten Stadtstaaten Berlin und Hamburg auf. In Hamburg und Berlin sterben dreimal so viele Menschen an „harten Drogen“ wie im Bundesdurchschnitt. „Großstädtische Milieus wirken anziehend auf Abhängige, sie bieten Anonymität und leichtere Beschaffungsmöglichkeiten.“ heißt es in der Studie zur Begründung. Bei den Flächenländern liegen einzig die Bayern und Hessen über den Durchschnitt. Auffällig ist das synthetisch hergestellte Drogen wie „Crystal Meth“ zunehmend von Tschechien aus nach Bayern und in die grenznahen ostdeutschen Bundesländer gelangen. Die Studie führt auf dass, „2013 hat die Polizei allein in Sachsen 1.237 neue Konsumenten dieser Substanzen registriert, in Bayern fast 3.000.“

Insgesamt gesehen gleicht sich das Suchtverhalten in Ost und West allmählich an, wobei beim Trinkverhalten und dem Rauchen eine positive Tendenz erkennbar ist. „Während im Jahr 2001 noch über 80 Prozent der männlichen Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren von ersten Alkoholerfahrungen berichten, sind es heute in den alten Bundesländern nur noch rund 73 Prozent, in den neuen Bundesländern sogar nur etwa 66 Prozent.“ Auch das sogenannte Koma-Saufen ist rückläufig der Anteil an Jungen und Mädchen hat sich seit 2007 halbiert, von denen die angeben in den letzten 30 Tagen eine Alkoholvergiftung erlitten zu haben. Auch der Griff zur Zigarette findet unter Jugendlichen seltener und später statt. Der Anteil der Raucher im Bereich der 12- bis 17-Jährigen hat sich seit 2001 mehr als halbiert.

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„Auch bei den Erwachsenen gehen die Raucherquoten bundesweit deutlich zurück und der durchschnittliche Verbrauch von Alkohol nimmt seit 1995 bei Männern und Frauen im Westen wie auch im Osten langsam ab.“

3. Kriminalität

Die Menschen scheinen im Osten immer noch verunsicherter zu sein als im Westen, davon zeugt zumindest eine Umfrage, die als Standardindikator für Kriminalitätsfurcht die Frage stellt, „Wie sicher fühlen Sie sich allein im Dunkeln, unterwegs in Ihrer Wohngegend?“ Nach der Wiedervereinigung 1990 stieg das Unsicherheitsgefühl bei den Ostdeutschen drastisch an, was laut Studie an der gesellschaftlichen Wahrnehmung lag, angeregt durch das politische Bild von der BRD, was in der DDR jahrzehntelang vermittelt wurde. Tatsächlich konnten durch die starke Überwachung der eigen Bevölkerung und die grenzbedingte Abschottung der DDR, mit ihren massiven Grenzkontrollen, weniger internationale Verbrechen Fuß fassen. Allerdings gab es auch im Westen zu der Zeit eine Erhöhung der Furchtsamkeit, die sich erst langsam wieder abbaute. Vielleicht hing dies im Westen und im Osten mit der gesteigerten Sorge zusammen das die Kriminalitätsrate mit der Wiedervereinigung steigen wird. „Es steht auch stellvertretend für andere Ängste die schwer zu greifen und rational zu verarbeiten sind.“, heißt es in diesem Zusammenhang in der Studie. Tatsächlich nahmen nach dem Mauerfall Einbrüche, Banküberfälle und Zigarettenschmuggel im Osten sprunghaft zu und erschreckte die Bevölkerung dort. Allerdings erfolgte dieser Anstieg von einem sehr niedrigen Niveau auf ein in der BRD allgemein vorhandenes Niveau. 

Was die registrierten Straftaten allgemein betrifft wiesen 1993 Mecklenburg-Vorpommern,Sachsen-Anhalt und Brandenburg unter den Flächenländern die höchste Anzahl polizeilich registrierter Straftaten je 100.000 Einwohner auf. In Bayern, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg wurden hingegen die wenigsten Straftaten je Einwohner verzeichnet. „Dabei kamen Autodiebstahl, Raub oder Sachbeschädigung in den neuen Bundesländern häufiger vor als in den alten, wo es umgekehrt mehr gefährliche Körperverletzung, Betrug und Rauschgiftdelikte gab.“

Quelle: Berlin-Institut mit der Studie "So geht Einheit"

 

Auch bei den politisch motivierten Straftaten ist anhand des Verfassungsschutzberichtes ein Ost-West-Unterschied erkennbar.

So treten Straftaten mit einem „linksextremistischem Hintergrund – bezogen auf die Einwohnerzahl– überproportional häufig in den westlichen Bundesländern auf, solche mit rechtsextremistischem oder fremdenfeindlichem Hintergrund eher in den östlichen.“

Jedoch wird in der Studie deutlich gemacht, dass die polizeiliche Kriminalstatistik kein vollständiges Bild abgibt, denn wieviele Straftaten in die Zählung eingehen hängt nicht nur von ihrer tatsächlichen Häufigkeit ab, sondern auch davon „mit welchem Schwerpunkt die Beamten ermittelten und wie viele Fälle die Betroffenen zur Anzeige bringen.“

In einer repräsentativen Untersuchung sieht es ausgeglichener aus. Hier stand die Frage im Mittelpunkt ob der Befragte im letzten Jahr Opfer einer Straftat wurde. Demnach lag das Risiko 1993 im Osten kaum höher als im Westen. Die Ausnahme bilden hier Autodiebstähle und Übervorteilungen durch Immobilienmakler, Versicherungs- und Anlageberater, die bei den Angaben der Befragten sichtbar häufiger vorkamen.

Fazit: Laut Befragung machen sich heute etwa 30 Prozent aller Deutschen „große Sorgen“ über die Entwicklung der Kriminalität. Wobei Medienberichte über zunehmende Wohnungseinbrüche und Millionenschäden durch Diebstähle in grenznahen Regionen, über Gewaltverbrechen und politisch motiviert Strafen dazu beitragen Ängste zu schüren. Tatsächlich ist es aber so, dass die Gesamtzahl der registrierten Straftaten heute gut zehn Prozent unter jener von 1993 liegt und das entsprechend einer Befragung 2012 keines der abgefragten Delikte häufiger in Ostdeutschland vorkam als in Westdeutschland. Heute zeigt sich eher ein Nord-Süd-Gefälle was die Kriminalitätsrate betrifft und es gibt einen Unterschied zwischen ländlichen Regionen und Ballungsräumen.

So ist das Risiko in Hamburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen größer Opfer von Raub, Diebstahl oder einer Körperverletzung zu werden.

4. Parteien und Politik

Bei der ersten Bundestagswahl im vereinten Deutschland fand die SED-Nachfolgerin PDS, wen verwundert es, kaum Anklang in der Bevölkerung der alten Bundesländer. Aber sie schaffte es dennoch durch eine Sonderregelung, die die Ergebnisse aus dem Osten anders berücksichtigte, in den Bundestag. Stärkste Kraft war damals die CDU im Osten wie im Westen. Bei der Bundestagswahl 2013 erhielt die Linke, die sich aus dem Zusammenschluss von PDS und WASG (Arbeit & soziale Gerechtigkeit – Die Wahlalternative) entstand, fast überall fünf Prozent der Zweitstimmen. „Die Linke ist somit zum festen Bestandteil des bundesdeutschen parteipolitischen Gefüges geworden.“

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Auch rechte Parteien bekamen nach 1990 mehr Zulauf, zunächst im Westen später im Osten. So zogen einige ihrer Abgeordneten in Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein in die Parlamente ein. Ende der 90er lichteten sich die Reihen wieder und heute sind die rechten Mandatsträger in Westdeutschland wieder größtenteils verschwunden. Ob für dieses veränderte Wahlverhalten die Überforderung der Bevölkerung durch den Kollaps der Sowjetunion und die stärksten Zuströmungen von Einwanderer, seit Gründung der BRD dafür verantwortlich waren, so wie es die Studie darstellt, ist meiner Ansicht nach nur eine Teilerklärung. Vielleicht traf auch Verunsicherung nach dem Zusammenbruch der DDR, Unmut über Zwangsschließung von Großbetrieben oder Frustration über ungewollte oder nicht selbstbestimmte Veränderungen im Leben und Zukunftsängste zusammen mit verstärkten Aktivitäten durch rechte Parteiführer aus den alten Bundesländern, die in dieser Situation die Möglichkeit sahen, größeren Einfluss zu gewinnen. Jedenfalls fanden ihre Parolen anklang. Laut der Studie nahm damals allerdings auch der demokratisch legitimierte Rechtspopulismus zu. Teils über zehn Prozent Stimmenanteile erzielten NPD und DVU in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Bis heute sind sie in einigen ostdeutschen Landtagen vertreten.

Diesen Aufwind für den rechten Teil des politischen Spektrums sieht die Studie als ein Zeichen „einer Protesthaltung gegenüber einem Parteiensystem, das sich schwer tut, in einer vernetzten Welt verständliche Antworten auf brennende Fragen zu liefern.“ So wird aufgeführt, dass mit Ausnahme von Bündnis90/Die Grünen alle Parteien Mitglieder verloren haben. Zudem stieg der Anteil der Wechselwähler kontinuierlich an, „von einem Fünftel in der alten Bundesrepublik der 1980er Jahre auf heute bundesweit ein Drittel.“ Was die Wahlbeteiligung betrifft, so erreichte sie 1998 noch einen Höhepunkt in der Nachwendezeit und ist seither immer weiter abgesunken. In beiden Teilen der Republik fühlen sich die Bürger offenbar durch die Politik nicht ernst genommen. „Ihrer Unzufriedenheit verleihen sie daher vielfach außerhalb der traditionellen demokratischen Verhandlungsprozesse Luft.“ heißt es in der Studie. Als Beispiele dafür werden Demonstrationen gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, Zeltlager der Occupy-Bewegung mitten im Frankfurter Bankenviertel und die Proteste der sogenannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) aufgezählt. Jüngere Menschen erscheint es zudem attraktiver so die Studie, „sich bei Nichtregierungsorganisationen wie „Attac“ oder „Human Rights Watch“ zu engagieren als in den althergebrachten Parteien.“

Quelle: Berlin-Institut mit der Studie "So geht Einheit"

 

„An die Stelle von eindeutigen Standpunkten zu Zeiten des Ost-West-Konflikts ist damit ein Potpourri von Themen, politischen Akteuren und Äußerungsformen getreten – deutschlandweit und global.“

Teil 1

  1. Einführung
  2. Bevölkerungsentwicklung
  3. Kinderzahl
  4. Zuwanderung / Fremdenfeindlichkeit

Teil 2

  1. Partnerwahl
  2. Lebensformen
  3. Bildung / Arbeit / Wirtschaft
  4. Konsum / Einkommen / Vermögen

 

Hier klicken um eine ZDF-Sendung, die den Ost-West Vorurteilen nachgeht anzusehen

 

 

 

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