Wie Internetnutzer durch Chinas "Great Cannon" unbemerkt zum Werkzeug im Cyberkrieg gemacht werden

09-10-2015 17:13:41 Autor:   Peter Kategorien:   Technologie , Gesellschaft

Vereinfachte Netzstruktur der "Great Cannon" und "Great Firewall" Foto: https://citizenlab.org/2015/04/chinas-great-cannon/

Wissenschaftler der kanadischen Universität von Toronto identifizierten ein neues Werkzeug der chinesischen Zensurbehörde. Das seit März 2015 bekannte System, das in Anlehnung an die Große Firewall Chinas, als "Great Cannon" Eingang in das Lexikon des Cyberwars gefunden hat, macht potenziell nicht nur die Computer chinesischer Surfer zu Tätern, sondern auch alle, die chinesische Webseiten unverschlüsselt besuchen oder auch nur Webseiten aufrufen, welche Werbung von chinesischen Diensten einblenden. Mit der "Great Cannon" kann China gezielt Webseiten in der ganzen Welt überlasten und so quasi unerreichbar machen.

Als die "Great Canon" identifiziert wurde, richteten sich ihre Angriff gezielt gegen zwei der Zensurbehörde unangenehme Internetseiten. Zunächst richtete sich die Ddos-Attacke (Distributed denial of service) gegen die Codeseite "GitHub" und betraf Nutzer des chinesischen Spiegels der "New York Times" zum anderen wurde auf die Nutzer der Antizensor Organisation "GreatFire.org" gezielt. Beide Seiten ermöglichen Tunnel durch Chinas "Great Firewall", die unliebsame Webinhalte herausfiltert.

Vereinfachte Netzstruktur der "Great Cannon" und "Great Firewall" Foto: https://citizenlab.org/2015/04/chinas-great-cannon/

 

Zwar sei die "Great Cannon", so der Wissenschaftler Bill Marczak von der kanadischen Universität, dicht mit der "Great Firewall" verschränkt, jedoch wirke sie separat davon mit aggressivem Angriffspotential.

Mit solch offensivem Einsatz vermag es das neue Werkzeug demnach, Benutzern des chinesischen Pendants der Suchmaschine "Google", "Baidu", in die Antwort auf Suchanfragen Schadcodes in Form kompromittierender Java-Skripts anzuhängen. Die Schadsoftware reihte den angegriffenen Computer dadurch ein in die Angriffsmaschinerie gegen die Entwicklerplattform "GitHub", und wurde so Teil der von China aus fernsteuerbaren Botnetze.

Wissenschaftler davon aus, dass es sich um von der Pekinger Regierung kontrollierte Aktivitäten handeln müsse.

Oberflächlich sah es zwar so aus, als ob der Schadcode von Baidu selbst eingespielt werde, doch Baidu dementierte dies. Da außerdem beide Great Firewall und Great Cannon von den selben chinesischen Servern gehostet wird, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es sich um von der Pekinger Regierung kontrollierte Aktivitäten handeln müsse.

Durch Änderung der Software kann die komplette Kommunikation überwacht werden, auch wenn die Nutzer sich nicht in China aufhalten.

In dem neues System, mit dem China erstmals ernsthaft die US-amerikanische Hegemonie auf dem Feld der digitalen Kriegsführung antastet, stecke aber noch erweitertes Gefahrenpotential. Durch eine geringe Änderung der Software kann die komplette Kommunikation einzelner Individuuen überwacht werden, auch wenn die Nutzer sich nicht in China aufhalten.

China zeigt mit dem Einsatz der Great Cannon, dass das Land wie die US-NSA und das englische GCHQ mit ihrem Quantumsystems in der Lage ist, unverschlüsselten Internetverkehr weltweit zu kontrollieren und zu attackieren.

Hier ein Video "China Uncensored: How China Is Weaponizing Your Computer with the 'Great Cannon'

 

 

 

 

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