Menschenrechtsanwältin Wang Yu – verhaftet, aber nicht vergessen

19-09-2015 16:43:54 Autor:   James Burke Kategorien:   Gesellschaft , Menschenrechte

Dafür, dass sich Wang Yu für die Menschenrechte in China einsetzte, wurde sie von staatlicher Seite aus diffamiert, misshandelt und eingesperrt. Bild: Screenshot/Youtube

Die Menschenrechtsanwältin Wang Yu begleitete im Juli ihren Mann und Sohn zum Flughafen. Von dort aus wollten dann die beiden nach Australien fliegen, wo ihr 16-Jähriger Junge die Schule besucht.

Als Wang wieder nach Hause zurückkehrte, wurden ihr Stromanschluss, laut der Washington Post, um drei Uhr morgens abgestellt. Die 44-Jährige hörte Stimmen, worauf sie die Nachricht an ihre Kollegen versendete, dass jemand versucht ihre Tür aufzubrechen.

Später stellte sich heraus, dass Wang von der Polizei festgenommen wurde und ihr Mann und ihr Sohn am Flughafen verhaftet worden sind. Der Sohn wurde wieder freigelassen, jedoch ist sein Pass beschlagnahmt worden und er steht unter ständiger Beobachtung, während seine Eltern weiterhin an unbekannten Aufenthaltsorten gefangen gehalten werden.

Wang und ihr Ehemann, Bao Longjun, der ebenfalls als Rechtsanwalt tätig ist, sind zwei von mindestens 277 Anwälten, Kanzleimitarbeitern, Menschenrechtsaktivisten und deren Familienmitgliedern, auf die es die kommunistischen Behörden in den letzten Monaten abgezielt haben.

 Alle diese Rechtsanwälte wurden entweder festgenommen, oder daran gehindert, China zu verlassen.

 Wegen Verdacht auf Anstiftung zur „Untergrabung der Staatsgewalt“ wird Wang als die bekannteste Anwältin betrachtet, die im Juli während einer Razzia festgenommen wurde.

Sie ist nun eine der Personen für die sich die US-Regierung im Rahmen der gestarteten #FreeThe20-Kampagne einsetzt, indem sie auf die Notlage der weiblichen Gewissensgefangenen und Häftlingen aufmerksam macht.

 

Die chinesische Menschenrechtsänwältin Wang Yu, ist eine von 20 Frauen die durch die #FreeThe20-Kampagne unterstützt werden. (Image: www.humanrights.gov)

 

Einer von Wangs bekanntesten Fällen ist im Video weiter unten aufgezeichnet, bei dem sie die Rechte von sechs Schulmädchen verteidigte, die laut Aussage von ihrem Schuldirektor und einem Regierungsbeamten in einem Hotel vergewaltigt worden sind.

 „Bei solch heiklen Fällen wie diesem warnen die Behörden die Rechtsanwälte davor, einzugreifen. Sie drohen den Opfern, damit sie keine Rechtsanwälte nehmen bzw. keine Fachanwälte.“, sagt Wang.

 „Solche Vorfälle passieren jede Minute und finden an allen Orten in China statt.“, sagt sie.

„Viele Menschen denken über China: China ist reich, China entwickelt sich schnell, China hat große Gebäude, breite Bundesstraßen und schicke Autos“ sagte Wang zu Beginn des Videos aus dem Jahr 2013. „ Sie wissen nicht, dass die Menschen dort wie Tiere behandelt werden und keine Grundrechte haben.“, fügte sie hinzu.

Hier ein Video dazu:

 

 

„ Menschenrechtsanwalt in China zu sein ist ein Beruf mit hohen Risiken. Man könnte wegkommen und in eine psychatrischen Anstalt oder in ein Gefangenenlager gesteckt werden… Das kann jederzeit passieren.“

 Wang selbst hat aufgrund von dubiosen Vorwürfen bereits mehrere Jahre im Gefängnis verbracht.

 „Wangs Einsatz für die Menschenrechte, die ja eigentlich ein Wirtschaftsjuristin ist, wurde initiiert durch ein Erlebniss im Jahr 2008, bei dem Arbeitskräfte eines Bahnhofes ihr den Zutritt zu einem Zug verweigerten, für das sie ein Ticket besaß.“, berichtet Samantha Power, US-Vertreterin der Vereinten Nationen beim Start der #FreeThe20-Kampange.

 „Nachdem sie das Recht zum Einsteigen einforderte, wurde sie von mehreren Männern angegriffen und anschließend, obwohl sie diejenige war, die geschlagen wurde, aufgrund von „beabsichtigte Körperverletzung“ zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt“, sagt Power.

Das Nicht-funktionieren des Rechtssystems plus die Folter und Misshandlung, welche sie im Gefängnis erlebt hatte, gaben ihr den Anstoß sich nach ihrer Entlassung im Jahr 2011 für die Menschenrechte einzusetzen. Vor ihrem Gefängnisaufenthalt war Wang als Wirtschaftsjuristin tätig.

Zu ihren Mandanten zählten Iham Tothi, ein geschätzter uighurischer Intellektueller, der zu einem Leben im Gefängnis verurteilt wurde und die „Fünf Feministinnen“, welche Anfang des Jahres inhaftiert wurden, weil sie eine Aufklärungskampagne über sexuelle Belästigung organisiert hatten.

Wang half auch verfolgten Falun Gong-Praktizierenden, doch ihr wurde selbst der Zutritt ins Gerichtsgebäude verweigert, um die Unterstützung für die Praktizierenden zu verhindern, berichtete die "Washington Post".

Das Bild von ihr und einem Kollegen, auf dem sie ein Banner vor einem Gerichtsgebäude mit der Aufschrift: „ Anwälte fordern das Recht, ihre Klienten treffen zu dürfen“ hochhalten, verbreitete sich rasant auf "Weibo", der chinesischen Version von "Twitter".

Vor ihrer Verhaftung wurde Wang belästigt, bedroht, und in den Staatsmedien diffamiert.

Hier ist ein Video über das Schicksal von Gao Zhisheng, einem Anwalt, der sich ebenfalls für Falun Gong-Praktizierende in China eingesetzt hat und dadurch zur Zielscheibe politischer Verfolgung durch den Staatsapparat wurde.

 

 

 

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