Wie die Kommunistische Partei Chinas fanatischen Nationalismus anheizt

03-09-2015 16:20:57 Autor:   James Burke Kategorien:   Politik

Die chinesische Volksbefreiungsarmee ist mit einer Stärke von etwa 2.285.000 Mann die weltweit größte Militärgewalt.

Vor einem Jahrzehnt war ich in Sydney bei einem Seminar dabei, dessen Hauptsprecher der chinesische Dissident und Professor für Recht Yuan Hongbing war. Er beschrieb das heutige chinesische Regime in Peking als weitestgehend faschistoider Natur.

Damit bezog er sich auf die expansionistischen Ideen der Kommunistische Partei Chinas (KPCh) und den Ultra-Nationalismus, den sie in der chinesischen Bevölkerung propagiert.

Im Zusammenhang mit China war damals das große Thema Taiwan und der Professor sah die KPCh bereits als Bedrohung des Weltfriedens an.

Was er damals verkündete, schien dem Laien doch sehr schwarzseherisch, aber wovor er gewarnt hatte, ist heute erschreckend real.

So geht China zum Beispiel sowohl im Ostchinesischen Meer als auch im Südchinesischen Meer bis an die Grenzen.

Am augenscheinlichsten sind Pekings Riff-Konstruktionen in Gewässern, die von mehreren Nationen im Südchinesischen Meer umkämpft werden.

Außerdem erhebt die Partei Besitzansprüche auf weiteres Territorium seiner Nachbarn. In Indien geht es um eine Landfläche dreimal so groß wie die Schweiz. Die Infografik unten zeigt Chinas Territorial-Ansprüche:

 

 

Vor Jahrzehnten hat die nationalistische Leidenschaft den Maoismus in China ersetzt. Das führt zu Hass gegen andere und einer Anti-West- und Anti-Japan-Stimmung.

So heißt es zum Beispiel:

„Diese Teile der Welt gehörten früher zu China und wir müssen sie zurückbekommen.“

und

„Mit Japan haben wir noch aus dem Zweiten Weltkrieg einige Rechnungen zu begleichen.“

Alles in allem ähnlich dem, was die staatlichen Medien und das staatliche Bildungssystem schon seit einiger Zeit herunterlamentieren.

Für einen kurzen Blick, was ich meine: dieses über vierminütige Video der Marine der Volksrepublik China (PLAN) wurde erst diesen Monat veröffentlicht und wirbt neue Soldaten an:

 

 

Das Rekrutierungsvideo nennt sich „Unser Traum“ und startet ähnlich einer westlichen Werbung für jungen Lebensstil mit einer kühlen Melodie wie aus einem Computerspiel. Es ist das neue, das reiche und wohlhabende China was gezeigt wird. Aber dann, nach ein paar Szenen in denen die Volksbefreiungsarmee humanitäre Arbeiten durchführt, wird es "bombastisch". Die Diaoyutai/Senkaku Inseln und andere umstrittene Inseln im Südchinesischen Meer werden in schnellen Luftaufnahmen überflogen.

Hinzu kommen jede menge Bilder davon, wie all das in die Luft gesprengt wird wobei Vieles davon im historischen Kontext zu Japan steht.

In der Rubrik „Blauer Traum“ erläutern chinesische Schriftzeichen, dass Chinas Territorium drei Millionen Quadratkilometer Ozean umfasst, so J. Michael Cole vom australischen Think Tank „The Lowy Study“.

„Der Kampf um unsere Seerechte ist noch nicht vorüber'“, heißt es im Video weiter. Wir werden nicht den kleinsten Fleck unserer Ressourcen aufgeben.“ Man beachte, dass der Text „Ressourcen“ meint nicht „Territorium“, obwohl Letzteres impliziert wird. Oder in anderen Worten: Sowohl Territorium als auch die Ressourcen, die es enthält, gehören allein China“, schreibt Cole.

 

„Der dritte Teil des Videos wird ominös „Das Ehren-Gen“ genannt.“

 

„Tausende von Seeschlachten formten uns... in sehr blutigem Kampf... heißes Blut und der Geruch von Schießpulver, wir arbeiteten weiter hart, wir wuchsen weiter... die leidenschaftlichen Anstrengungen der Jugend... Nachahmungen in vielen Versuchen ermöglichten den Durchbruch... wir behalten unsere Kampfbereitschaft bei... wir sind auf Krieg vorbereitet“, so der Videotext laut Cole weiter.

 

„Unser Traum“. (Bild: Screenshot/ YouTube)

 

Seit dem Fall des eisernen Vorhangs in Europa und dem Zusammenbruch der Sowietunion hat die KPCh immer häufiger (zusammen mit aufstrebender Wirtschaft) Nationalismus als Legitimierung ihrer Macht und Machterhaltung hervorgebracht.

„Ohne der Legitimation einer demokratisch gewählten Regierung und mit dem Zusammenfall der kommunistischen Ideologie ist die KPCh immer weiter von ihrem nationalistischen Berechtigungsnachweis abhängig, um zu regieren“, schrieb der China-Experte Peter Hays Griess von der Universität Oklahoma.

Wie gesagt, ein großer Teil des Nationalismus in China hat mit Japan zu tun, das während des Zweiten Weltkrieges massenhaft Gräueltaten gegen das chinesische Volk verübte.

 

Ein chinesischer Kriegsgefangener kurz vor seiner Enthauptung durch einen japanischen Offizier während des Nanjing Massakers. (Bild: Wikipedia)

 

Was die kaiserliche japanische Armee in China tat, war furchtbar. Für ihre eigenen Zwecke lässt die KPCh das niemanden vergessen und mischt noch eigene Dinge hinzu.

„Für die chinesische Obrigkeit muss das Volk Japan hassen“, sagt Zhang Lifan, ein regimekritischer Historiker in einem Artikel der „Financial Times“. „Regierungen wie die Unsere benötigen unbedingt einen imaginären Feind“, fügt er hinzu. „Sie benutzen es, um Anhänger für die Regierenden zu finden, als ob uns der Feind jeden Moment angreifen würde“.

Gleichzeitig ist jede öffentliche Kritik, der jetzigen oder der vergangenen durch die KPCh begangenen Verbrechen, tabu. Kritiker landen schnell im Arbeitslager oder haben Probleme wegen „Störung der öffentlichen Ordnung“ oder dem „Verrat von Staatsgeheimnissen“.

Um eine Ahnung zu bekommen wie giftig die Anti-Japan-Propaganda schon geworden ist, ist diese „China Uncensored“ Episode empfehlenswert, die einen Blick darauf wirft, wie das chinesische Fernsehprogramm Japan verteufelt:

 

 

Nun, wer sich also das Video angesehen hat, weiß, dass wir nicht von einigen wenigen Ausnahmefällen sprechen. Das gleiche gilt für die staatlichen Medien auch generell, sobald es um Japan geht.

Yifu Dong formulierte es in „Foreign Policy“ so: „Nachrichten eines kurz bevorstehenden Krieges, oder etwas, das so ähnlich klingt, ist der konstante Paukenschlag in den chinesischen Medien.“

Yifu weiter: „Viele große Nachrichtenportale haben eine Rubrik, in der es ausschließlich um militärische Schachzüge geht. So klingt eine Stichprobe der Nachrichten auf „Sohus“ aus der Woche des 21. Juli: 'Japan handelt regelwidrig und plant wieder auf das Schlachtfeld zu ziehen', 'Japan gibt Unsummen für Kriegsmaschinen aus', 'Abe entwickelte verschiedene Vorbereitungen für China-Japan-Konflikt' und 'Heute ist es einfacher, Japan zu ersticken als im Zweiten Weltkrieg'“.

Vor einigen Jahren gab es anti-japanische Proteste auf den Straßen Chinas, als es um die Diaoyutai/Senkaku-Angelegenheit ging. Das zeigt dieses Video:

 

 

Die Wirtschaft fährt gegen die "Wand"

Die andere „Legitimation“ der KPCh-Macht im Einparteiensystem - eine erblühende Wirtschaft - scheint zu vertrocknen. Der Immobilienmarkt ist komplett am Boden, und die Börse ist zusammengebrochen. Manche sagen, es gehe ein Währungskrieg vonstatten, nachdem Peking den Yuan letzte Woche massiv entwertet hat.

Das Problem:  Eine abrutschende chinesische Wirtschaft könnte die Expansionsideale und fremdenfeindliche Rhetorik der Partei noch weiter anheizen, um die Bevölkerung vom eigenen Machtmissbrauch abzulenken.

Wie auch immer, die Partei wird versuchen, über Wasser zu bleiben. Doch mit welchen Mitteln das gelingen soll, ist die große Preisfrage.

 

Soldaten von der Volksbefreiungsarmee während einer Parade. (Bild: Wikipedia)

 

 

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