So verwandelte Ai Weiwei Alcatraz in ein Denkmal für politische Häftlinge

13-03-2015 12:11:22 Autor:   Colin Fredericson Kategorien:   Menschenrechte , Reisen

Ai Weiwei füllt Alcatraz mit Botschaften politischer Häftlinge. (Bild: Colin Fredericson)

Normalerweise würde es mich wahrscheinlich nicht zu einem Ausflug nach Alcatraz ziehen. Es käme mir vor wie ein imposanter Ort, gefüllt mit den Geistern toter Krimineller. Ich müsste mit dem Boot dort hinfahren. Was, wenn sie sich entschließen, uns nicht wieder zurück zu bringen? Doch während eines Familientreffens in San Francisco erinnerte ich mich daran, dass Ai Weiwei dort eine neue Kunstausstellung haben soll.

Ai Wieweis neue Ausstellung reißt die Wände von Alcatraz nieder.

Auf der Insel Alcatraz lebten einst die gefährlichsten Verbrecher der Vereinigten Staaten in Haft. Auf ihr waren Leute wie Al Capone und Machine Gun Kelly untergebracht. Gruselige Kerle. Dies interessiert mich jedoch nicht so sehr wie die blühende Natur im Nationalpark der Insel. So hoffte ich zumindest ein paar Landschaftsbilder und coole Vögel zu sehen. Auf der Insel angekommen, erfuhr ich dann von den unglaublichen Fluchtwegen aus dem Gefängnis. Und ich lernte, dass die Insel ein Schauplatz von Protesten der Ureinwohner Amerikas war, und während des Bürgerkriegs sogar als Festung diente.

Der Blick auf Alcatraz vom Boot aus. (Bild: Colin Fredericson)

 

Wenn man in den verschiedenen Ecken des Gebäudekomplexes auf Ai Weiweis Kunst stößt, denkt man sofort an „Gewissensgefangener“ und „politischer Häftling.“ Seine Ausstellung ist eine Feier für und ein Denkmal an jene, die zu unrecht aus politischen Gründen inhaftiert sind. Ai wurde in China, wie sein Vater vor ihm, als politischer Häftling inhaftiert. Ai ist ein Gegenwartskünstler und sein Vater war ein Poet.

Porzellanblumen füllen auch die schmutzigsten Orte. (Bild: Colin Fredericson)

 

Ai ist noch immer ein politischer Häftling und darf China nicht verlassen. Doch außerhalb Chinas geht seine Kunst auf Reisen. Und mit seiner Kunst reisen auch seine Ansichten. Er schaffte es, diese Ausstellung zusammenzustellen, ohne die Räumlichkeiten dafür zu besuchen. Er kann nicht so reisen, wie er es sich wünscht. Die chinesischer Regierung begrenzt und überwacht ihn.

Das bemerkenswerteste Ausstellungsstück war dieser den Raum füllender Drache. (Bild: Colin Fredericson)

 

Der größte Teil der Ausstellung liegt in Räumen, die der Öffentlichkeit noch nie zugänglich gemacht wurden. Neben Gefängniszellen füllt Ais Kunst auch Badezimmer, Toiletten, Badewannen, Duschen und Waschräume. Die Kunstobjekte kamen per Schiff aus China an und wurden hier rekonstruiert. Ai musste die Ausstellung mit Hinblick auf jede Größe und Dimension gestalten. Auch musste sie so geschaffen sein, dass sie während des Transportes nicht konfisziert werden würde. Vieles musste beachtet werden, bis die Kunstobjekte Ai in Peking verlassen und sich auf den Weg nach San Francisco machen konnten.

Ai benutzte Legosteine, um Portraits einer enormen Vielzahl politischer Häftlinge anzufertigen. (Bild: Colin Fredericson)

 

Ai Weiwei nahm politische Häftlinge aus jeder Region der Welt mit in seine Ausstellung auf. Dabei ließ er die politischen Häftlinge aus China nicht aus. Ein unübersehbares chinesisches Gesicht ist der Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng; eines von vielen Gesichtern, das aus Legosteinen konstruiert wurde, die so einen Großteil der Ausstellung ausmachen. Gao bekam die Wut der Kommunistischen Partei Chinas zu spüren, nachdem er die Rechte der chinesischen Bürger, die Falun Dafa praktizieren, verteidigte. Falun Dafa-Praktizierende werden seit 1999 in China verfolgt und gesetzwidrig inhaftiert. Dafür, dass Gao sie vor Gericht unnachgiebig verteidigte, wurde er selbst Opfer der Verfolgung und gesetzwidriger Verhaftung.

Lego Portrait des chinesischen Menschenrechtsanwalts Gao Zhisheng. (Bild: Colin Fredericson)

 

Es ist ein trauriger Tag, wenn Menschen zu Unrecht ins Gefängnis gehen. Aber hier ist der berüchtigte Gefängniskomplex weltweit, der jetzt ein Park und eine Touristenattraktion ist, und in dem ein regimekritischer Künstler den politischen Häftlingen der ganzen Welt huldigt.

 

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